Übersichtskarte

Weihnachten im Pizza-Dom

Samstag, 24.12.2011
Nomophobie hin oder her...mit nem Telefon lassen sich einfach keine langen Texte sorglos editieren...RICHTIG LESERLICH gibts diesen Blogeintrag bei www.lodylette.tumblr.com. Ich wollt hier nur noch mal was posten, um die letzten Leser einzufangen, die von der Blogumleitung nichts mitbekommen haben- und weil ein Triebtäter bekannterweise ja immer an den Tatort zurückkehrt. Hach, irgendwie war es ja auch schön hier! Dennoch: weiter gehts bei tumblr. Echt!! Ich komm hier nicht mehr her! Vielleicht. Fröhliche Weihnachten! _____________________________ Voilá, heut ist Weihnachten. Ging schnell rum, das Jahr, und ich bin natürlich kein bisschen weise geworden. Nur ein bisschen ärmer! Gestern war ich nämlich beim Heilpraktiker. Nachdem ich ihm meine ganze Klaviatur an Zipperlein runtergebetet hab (da kam einiges zusammen!), liege ich sogleich auf einer Liege (voll bekleidet): In der linken Hand ein metallener Staffelstab (fast wär ich losgerannt, und der dranhängende Fluxkompensator wär hinter mir hergescheppert wie die Dosen an einem Hochzeitsauto), im Ausschnitt ein Metallteil (zur Erdung - und nein, nicht zwischen der Brüstung, sondern mehr so Richtung Hals), und in der rechten Hand sehr schnell nacheinander mehrere Röhrchen mit verschiedenen Substanzen. Der an am Kopfende sitzende Herr Doktor (ehemals Internist, jetzt Zauberer) sagt: “Ich lege ihnen jetzt verschiedene Substanzen in die rechte Hand, und dann schau ich ob sie die vertragen - oha, da kommt ja eine Menge zusammen, beachtlich, beachtlich”. Während der Prozedur kuckt er fortwährend durch eine kleine Glasplatte, die aussieht wie der Glasträger eines Mikroskops, und die er geheimnisvoll über mich hinwegbewegt. Nachdem er weiß, was mir fehlt, sagt er (nachdem er sagt “Ich sag Ihnen gleich, was Ihnen fehlt”): “Sie haben ziemlich viele Unverträglichkeiten, die mach ich Ihnen jetzt weg, halten Sie mal bitte das Teil hier fest an ihr Ohr, es hat geklingelt, ich muss an die Tür”. Dann drückt er mir ein weiteres metallenes etwas in die rechte Hand (kann ich nicht sehen, weil ich immernoch auf dem Rücken liege und mir alle Gerätschaften von hinten verabreicht werden- also via Hinterkopf), was ich sodann fest auf meine Ohrmuschel pressen muss. In der linken Hand halte ich immernoch den Staffelstab. Kaum ist Gandalf wieder zurück, sagt er: “Es piekst jetzt gleich ein bisschen, bitte mal eben aus-” *AUA!!!* “…atmen”. Im selben Moment hab ich zwei Nadeln zwischen Ohr und Schläfe (rechts und links). Weil die ziemlich tief drinstecken, habe ich ein bisschen Angst, den Mund aufzumachen. Dann sagt er: “Machen Sie bitte den Mund auf, Sie bekommen jetzt noch ein Kügelchen”. Dann sagt er: “Sie können jetzt aufstehen und sich wieder an den Tisch setzen.” Dann sagt er: “Sie haben eine Unverträglichkeit gegen Roggen, Eigelb, Eiweiß, Fruktose und Candida. Die hab ich weggemacht. Es wird Ihnen heute schon besser gehen! Rufen Sie mich mal in einer Woche an. Aber nicht vor Sylvester! Wenn es Ihnen nicht besser geht, dann haben Sie vielleicht noch eine andere Unverträglichkeiten. Die kann ich Ihnen dann auch auch wegmachen.” “Wie”, sag ich, das soll jetzt weg sein? Wie geht das denn? Und was ist das eigentlich für eine Methode?” “Das ist eine Mischung aus Akkupunktur und Homöopathie” sagt er. “Und das Glasplättchen, was hat es damit auf sich?” frag ich.  ”Das ist ein Polarisationsglas, damit kann ich Abweichungen erkennen, aber das ist für Sie nicht interessant, das macht dann 65 Euro bitte”. “Hab ich noch Nadeln im Kopf?” frage ich, nachdem ich ihm sein Weihnachtsgeld auf den Tisch gelegt habe. “Natürlich, sagt er, “aber die nehme ich Ihnen raus, bevor sie gehen”. “Schön”, sage ich, “Sie hätten Sie sonst spätestens wiedergehabt, wenn ich versucht hätte, mir die Mütze auf den Mettigel zu setzen”. “Sie können jetzt wieder alles essen, schöne Weihnachten” sagt Gandalf, und: „die Tür ist geradeaus“. “Danke” sag ich, “aber meinen Mantel würde ich schon noch gerne von der Garderobe nehmen”. Mit zwei Löchern mehr und 65 Euro weniger verlasse ich gutgelaunt die Heilpraxis. Wie schön. Ich kann also heute alles essen! Da freu ich mich ja schon. Nicht, dass ich mir nach dem Termin gestern direkt n Germknödel aus Roggenmehl mit Vanillesoße und nem Zentner Kirschen reingehauen hätte, aber nachdem ich mich wie eh und je ernährt habe, bin ich immernoch aufgebläht wie ein Zeppelin. Es hat sich also nichts geändert. Naja. Waren ja nur 65 Euro…Obwohl ich die viel lieber beim Pokern verzockt hätte. Gespielt wird dieses Weihnachten hoffentlich wieder rund um die Uhr bei Mama. Wir spielen immer. Entweder Phase 10, Skip Bo oder Kniffel. Oder alles nacheinander! Bis uns die Augen zufallen. Wenn sie gewinnt, dann kreischt sie entzückt, und wenn sie verliert, wünscht sie mir die Pest an den Hals. Natürlich nur aus Spaß! („Mama, ich kann am Wochenende nicht kommen, ich hab die Pest“ „Na, dann bleib mal lieber zu Hause, ich will mich nicht anstecken“) Ich bin eh gespannt, wie sich das dieses Jahr wird, mit Weihnachten! Ich hab ja vor ein paar Tagen noch im Radio gehört, dass 62% der Deutschen Ehrlichkeit unterm Tannenbaum schätzen. Das is ja doll! Endlich mal sagen, was man denkt, und dafür auch noch gelobt werden: “Schatz, jetzt sei mir bitte nicht böse, aber ich hab auf der Weihnachtsfeier mit der Finanzabteilung gevögelt. Brauchst aber keine Angst haben, ich mach das NIE wieder, die waren allesamt noch schlechter im Bett als Du”. …Wie, ach so, das andere Ehrlich? Das auf die Geschenke bezogen? Joaaa, das hab ich auch schon ausprobiert. Ich hab das Experiment mit Mama gestartet. Hat super geklappt. Und weil es so schön war, hab ich in Folge gleich zwei Geschenke zurückgehen lassen. Dieser Tropfen Wahrheit brachte das Faß zum Überlaufen endete mit den weisen Worten “dann krisste eben nix”. Irgendwann haben wir dann beschlossen, das mit dem Schenken einfach sein zu lassen. Ja, ja…Das waren noch Zeiten, wo unterm Tannebaum Geschenke und betrunkene Familienmitglieder lagen… Wo Omma aus den Latschen kippte oder der Esstisch in Flammen aufging! Das war übrigens mein liebstes Weihnachten. In selbigem Jahr kommt erstmals eine nagelneue Gerätschaft zum Einsatz: Ein Pizzadom. So ein „Pizzadom“ ist eine heiße Platte mit einer geräumigen Tonhaube, in der sich einige Löcher befinden, weshalb das ganze Gerät aussieht wie eine ausgeräuberte Schildkröte. In diese Löcher schiebt man von allen Seiten so dreieckige Pizza-Pfännchen rein, um sich nach ein paar Minuten seine fertige Pizza erst auf den Teller und dann in den Magen zu schieben. Das Gerät muss natürlich auch beheizt werden. Heute gibt es solche Teile mit Elektro-Heizplatte; wir hatten eins mit Fegefeuer. Bei diesem musste man -ganz einfach- ein paar Metallpfännchen mit Petroleum füllen, anzünden und unten drunterschieben. Da sitze ich also: Mit Geschwistern, Eltern, Tante, knurrendem Magen und kann es kaum erwarten, dass das Fress-Zeremoniell beginnt. Das letzte, was ich also sehe, bevor die Dinge ihren Lauf nehmen, ist die großzügige Hand meines Stiefvaters, die, genau auf meiner Augenhöhe, reichlich Petroleum in die Brennpfanne kippt (zu Weihnachten will man ja nicht kleinlich sein). Ich sehe, wie es auf die Tischdecke pladdert und ich sehe kurz danach die Streichhölzer in seiner Hand. Hm. „Streichhölzer, Tischdecke und Petroleum. Petroleum, Tischdecke und Streichhölzer“ eiert es durch meinen Schädel, und ich versuche, Zusammenhänge zu entdecken. Ich blättere im Geiste alles durch, was ich bisher gelernt habe, und bei „Was wäre wenn“ aus der Sesamstraße geht mir ein Lichtlein auf! „OHA!“ denke ich, und ich sage „gleich brennt der Tisch!“, da macht es auch schon „buff“ und wird ganz schnell  sehr hell und sehr warm, während sich ein kleines Ringfeuer rund um den Pizzadom entzündet. Dann nehmen die Dinge ihren Lauf. Die arsonphobische Tante kreischt kurz auf und mein Stiefvater hat einen Geistesblitz. Er greift einen furztrockenen, luftig-zart-aufgeblätterten Weserkurier, um das Feuer totzuschlagen. „Nee oh nee!“ skandiert unsere Erzeugerin, „jetzt wirft er auch noch ne Zeitung ins Feuer!!! Schlauer geht’s ja wohl nicht!!“ Ich finde das irgendwie ein bisschen lustig und griene meine Geschwister an. Auch die haben gute Laune. Endlich ist mal Action in der Hütte! Aber wir dürfen nicht lachen, sonst gibt’s reihum was an die Löffel. Mama ist leicht verstimmt und Tantchen kreideweiß. Also wirft Muddern ihre nagelneue, wunderschöne, teure Wolldecke in die Arena, um das Lagerfeuer zu löschen. „Warum nimmst Du denn die schöne Decke?“ frag ich, obwohl ich mir das eigentlich gerade verkneifen will, da riecht es auch schon nach abgefackeltem Schaf, was ihre Laune noch mehr zum Siedepunkt bringt. Mit einer weiteren Decke werde ich zum Wasserhahn beordert, um selbige erst zu ertränken und danach dem Feuer zu übergeben. Ich befolge, und es hilft. Dann stehen wir alle um einen dampfenden Berg aus feuchter Wolle herum. Sieht aus, als läge ein gestrandeter Delfin auf unserem Esstisch. Während unsere Tante wieder mit dem Atmen beginnt, sag Mama zu mir „kuck doch mal nach, obs noch brennt“. Als ich also vorsichtig einen nassen Zipfel der Wolldecke lupfe, dem Hochofen damit einen Schub Sauerstoff zuführe und mir eine Stichflamme entgegenzüngelt, kreischt Tantchen nochmals auf, während Mama sogleich anordnet, den Pizzadom samt Tisch vor die Haustür in den Schnee zu befördern, um ihn dort ausbrennen zu lassen. Nachdem wir also alle vor der Haustür stehen und argwöhnisch den dampfenden Delphin betrachten, kommen weitere 10 Liter Wasser zum Einsatz und dann ist das Feuer aus. Da stehen wir nun, vor dem verkohlten Klumpen. Leise rieselt der Schnee und laut knurren unsere Mägen. Die nächste Anweisung, den Pizzadom aus der knusprigen Textilummantelung zu befreien, wird unter den Argusaugen der Erzeugerin vom Stiefvater erledigt. Diesmal ohne Zwischenfälle. Unter dem halbverkohlten Kladderadatsch aus Tischdecke, Gemüse, Besteck, Zeitungspapier und sündhaft teuren Wolldecken kommt der tönerne Atomkern zum Vorschein. Aus den Löchern dampft schwarzer Qualm. Der Rauch verzieht sich und Vaddern nimmt den Deckel ab. Ich sehe ein wengefarbiges Stück Pizza und will gerade noch sagen „Pfui Deibel, da is ja noch was dringewesen“, da hör „wer will noch ein Stück Pizza?“ und gleich danach „Iiii-hich!“ und kann gar nicht so schnell was sagen, da ist das Stück schon in einem meiner Geschwister verschwunden. Das ist wie Weihnachten wie bei Hoppenstedts. Am Ende sitzen wir wieder alle um den Tisch. Weil wir alle wahnsinnigen Hunger haben und das Gemüse ja schließlich schon geschnitten ist, wird der Pizzadom wieder angefeuert. Man muss seiner Angst ins Auge blicken! Diesmal greift Vaddern allerdings auf Brennpaste zurück. Die stinkt nach Diesel und brennt in den Augen; weil das aber sicherer ist als Petroleum und wir unsere Tante nur mit vielem guten Zureden wieder an den Tisch bekommen, wird unter dem Motto „Augen zu und durch“ das Abendmahl verspeist. … Arsonphobie, das hat der digital beschlagene Leser sicherlich blitzschnell nachgeschaut, ist übrigens die Angst vor dem Feuer. Ich habe das vorhin bei Google nachgeblättert, damit meine Geschichte ein bisschen wissenschaftlicher klingt. Lustig, was ich da noch gefunden habe. Was es alles für Ängste gibt! Die Anatidaephobie ist zum Beispiel die Angst, von einer Ente beobachtet zu werden. Blöd, wenn man sich gerade ein Ruderboot gekauft hat.  Ich meinesteils leide lediglich unter einer einzigen, winzigen und doch allumfassenden, existenziell bedrohenden Angst: Der Nomophobie. Wer keine Lust auf nachblättern hat, dem sei gesagt: Das ist die Angst, ohne Mobiltelefon zu sein. Schlimm ist das!!! Ich werde mich deswegen auch noch mal mit Gandalf beratschlagen (der kriegt ja alles weg - für 65 Euro, aber nicht vor Sylvester). Oder ich werde mich einfach selber behandeln!? Dann kann ich die 65 Euro im App-Store verjubeln! Ich frag Mama mal, ob sie Stricknadeln hat, die sind bestimmt wirksamer als diese lächerlichen Akkupunkturnadeln. Dass die ne große Wirkung haben, kann auch mein Bruder bestätigen, der hat sich mal als Kind ne Stricknadel in den Augapfel gejagt und konnte dann nichts mehr sehen. Aber das ist eine andere Geschichte! Die erzähl ich andernmal. FROHES FEST IHR LIEBEN! Mit und ohne Pizzadom.   P.S. Falls es heute Abend wieder brennt, werdet Ihr es als erste erfahren. Ich habe ja zum Glück mein iPhone dabei.   

Achtung: Umleitung!

Donnerstag, 22.12.2011

Jetzt habe ich lange mit mir gerungen, ob ich in diesem Blog hier weiterschreibe, und ich habe mich dagegen entschieden. Das geht irgendwie nicht. Ist doch ein Auslandsblog! Natürlich lasse ich die alten Geschichten hier stehen. Ich hab sie gerade selbst noch mal gelesen und fühlte mich äußerst gut unterhalten! Himmel, was ich alles erlebt habe, das hatte ich selber schon verdrä vergessen.

Da die nächste Reise noch ein bisschen auf sich warten lässt, donner ich in der Zwischenzeit mit meinem geliebten Fahrrad durch Köln (ich habe mir gerade ein neues gekauft, und zwar ein extrahässliches, damit es NICHT WIEDER geklaut wird!) und widme mich verstärkt dem, was ich schon mein Leben lang mache (und was ich in den Bergen fast vergessen hatte): Ich mache Fotos. Wo ich gehe, fahre und stehe.

Erst recht, seitdem ich dieses verfluchte Eifon hab und meine CanonEos400d nicht mehr mitschleppen muss. Seitdem brauche ich allerdings auch geschlagene 3 Stunden für Wege, die ich früher in 15 Minuten geschafft habe. Seitdem habe ich zwar auch weniger soziale Kontakte und Erfrierungen an den Händen; ich verpasse Haltestellen, laufe vor Laternen und habe regelmäßig Scheisse unterm Schuh, ABER: 

Das ist auch gut so, weil ich überall Dinge sehe, die ich fotografieren muss: U-Bahnstationen, Schaufenster, Graffitis, Autos, Häuser, Landschaften, Farben und Formen, Hübsches und Hässliches, Licht und Schatten, Hinz und Kunz... Ich knipse vom Fahrrad, aus dem Flugzeug, aus dem Auto, aus der U-Bahn, aus dem Zug und höchstwahrscheinlich werde ich das letzte Foto noch live (äh, tot) aus dem Sarg posten. Auf meinem Grabstein soll bitteschön einmal stehen: "Nicht mal der Sensenmann nahm ihr das iPhone aus der Hand" - und ich will auf nen Friedhof mit W-Lan!

Ich glaube, ich habe (seit Anbeginn der digitalen Fotografie) mittlerweile ca. 50.000 Fotos angesammelt. Tolle, sehenswerte Bilder! Reif für den Prado, das MoMA und das Guggenheim (mindestens)! Neulich hatte ich diesbezüglich einen Traum. Eine Stimme fragte mich:

"Lodylette, was machst Du eigentlich am liebsten?" 

"Fotos"

"Und...wo sind die alle, Deine Fotos?"

"Auf meiner Festplatte".

 

Das gab mir zu denken. Und dann habe ich auf www.lodylette.tumblr.com einen neuen Blog aufgemacht. Ist ja fast wie n' Museum.

Schöne Bilder, dazu Lieblingslieder, Lieblingsläden, Lieblingsplätze, Lieblingsvideos und Lieblingszitate (letztere natürlich auch am liebsten von mir selbst! *hust*) (Ach ja, und von meiner zauberhaften Erzeugerin. Wenn ich jemals jemanden für den Deutschen Comedypreis nominieren dürfte, dann meine geliebte Frau Mama - denn sie ist ein Quell der guten Laune und eine weise Mischung aus Alfred Tetzlaff und dem Dalai Lama).

In dem neuen Blog kann man übrigens auch Fragen stellen, ohne sich einzuloggen. Also, wer was wissen will: Immer raus damit! Geantwortet wird wie immer - vielleicht. Aber wenn, dann richtich!

So, bin nebenan! Bis gleich.

Aus der Reihe

Schwimmen in Schwerin

Donnerstag, 08.12.2011

Hoppala,

hier is ja ganz schön viel Verkehr, seit 'Goodbye Deutschland' ausgestrahlt worden is. Apropos Verkehr: Ich bin seit drei Tagen mit einem Dienstwagen unterwegs, der das Kennzeichen "M-GV" trägt... Da fahr ich wohl mal besser nich im Dunkeln aufn Rastplatz! Hab mich eh schon gewundert, dass der Trucker anner Tanke so gekuckt hat...

Wo wir gerade von Truckern sprechen: Ich glaube, das wär der Job für mich. Ich hatte selbiges schon damals bei den Dreharbeiten zu 'GD' erwähnt, als ich meine 5 tonnenschweren Reisetaschen in den C-Max gestopft hab. Ich hab gesagt, dass Trucker schon immer mein heimlicher Traumberuf war: Du fährst den ganzen Tag Auto, keiner quatscht Dich voll, Du kannst Deine Lieblingsmusik hören und vor allem Deinen ganzen Kleiderschrank durch die Gegend kutschieren. Gerade bei mir, wo mein Hab und Gut zu 70% aus Textilien besteht (die ja in meinem Alter auch immer größer werden, so von den Quadratmetern her).

Leider ist (u.a.) dieser Kommentar letztendlich dem "Spannungsbogen" (also dem Disput zwischen mir und meinem Bad Gasteiner Herbergsvater) zum Opfer gefallen. Das ist einigermaßen schade, weil vor Ort sehr sehr viele lustige Szenen gedreht wurden, die dem geneigten Publikum ganz bestimmt mindestens genausogut gefallen hätten wie mir. Ich hatte ja unter anderem schon erwähnt, dass der wilde Hans mir bereits mittags nen Weißwein aus der Hose servierte, nachdem Sepp schon am frühen Morgen dafür gesorgt hatte, dass ich mir mit Vogelbeerschnaps seine Immobilien schönsaufen konnte. Aber auch ohne Promille gabs viel zu lachen - wenn das auch nicht immer alles danach ausgesehen hat. Nun, nach alldem, was nach Einsatz der digitalen Heckenschere in der Sendung noch zu sehen war, habe ich noch ein paar Anmerkungen zu machen.

Erstens: Der Hans von der Bellevue-Alm ist ein extrem lustiger und einzigartiger Gastgeber. Auch, wenn ich bei ihm nie arbeiten würde (was sicherlich daran liegt, dass ich ein widerspenstiges Weibsbild bin): Ein Besuch auf seiner Alm ist ein absolutes Muss und Highlight. Hans hat Leni und mich beim Dreh damals schon an der Tür mit einem flotten Jodler begrüßt, dass ich vor Lachen fast rückwärts den Berg runtergerasselt wäre. Wer jemals in Bad Gastein Urlaub macht, der muss da oben ein Käsefondue essen und hinterher die gefühlten 10 km mit dem Schlitten ins Tal donnern. Besser gehts nicht.

Zweitens: Abgesehen von dem ganzen zwischenmenschlichen Ärger, den ich mit meinem Boss hatte, ist das Hotel Regina ein ganz schöner Ort zum Urlaub machen. Das Essen war in der letzten Saison wirklich extrem lecker und  hat uns die ganze Renovierungsarie überleben lassen. Auch die Gäste waren begeistert. Meine Kollegen waren alle nett und meistens gut gelaunt, sowohl untereinander, als auch den Gästen gegenüber (Hut ab, bei dem Streß). Dass mein Boss den Laden quasi im Alleingang zu managen versucht hat, war ne ziemlich mutige Angelegenheit. Ich für meinen Teil würde mir nie im Leben so einen riesengroßen Betrieb ans Bein nageln, und ich bewundere jeden, der dabei nicht untergeht und sich auch ums Personal (die nötigsten) Gedanken macht. Damit meine ich nicht, dass die Angestellten von goldenen Tellern essen und in Watteboxen nächtigen sollen (obwohl,...). Aber ich meine: Wenn Du willst, dass Dein Pferd das Rennen macht, dann musst Du es gut behandeln und ihm auch mal ein Päuschen gönnen. (Oder Dir einfach nicht so einen klapprigen Gaul ins Haus holen wie mich - bin ja nich mehr die Jüngste).

Drittens: Ich habe nichts gegen Österreicher (Robert, Danke für die Einladung!). Ich bin zwar kein Bergfan (noch nie gewesen), aber ich kam außerhalb des Hotels mit allen Menschen, denen ich begegnet bin sehr gut zurecht. Nette Leute! Davon mal ganz abgesehen habe ich auch viele Nicht-Gasteiner kennengelernt, die ich gerne mal wiedersehen würde.Leider bin ich aber auch so hypochondrisch veranlagt, dass ich sofort wieder Schüttelfrost kriege, wenn ich nur daran denke, die Ortseinfahrt von Bad Gastein zu passieren. Naja. Vielleicht schaff ichs ja in ein paar Jahren mit verbundenen Augen und ein paar Vogelbeerschnäpschen auf nüchternen Magen.

Viertens: Ich fands ziemlich skurril, mich zu hören, wie ich sage, dass ich 30% schneller und effektiver arbeite als die anderen, um dann zwei Sekunden später dabei gezeigt zu werden, wie ich gackernd im Schnee liege und drei Sekunden später ne Buddel Jägermeister am Hals habe. Was allerdings glatt gelogen war, ist, dass ich -angeblich- keine harte Arbeit mag. Schliesslich habt ihr gesehen, wie sehr mich das angestrengt hat, eine Bierflasche mit nem Kehrblech zu öffnen!!

Apropos Kehrblech: Ich kehr jetzt mal ein, und zwar in die Koje. Ich muss morgen früh über den Parkplatz zu meinem GV-Mobil schwimmen, von Schwerin nach Berlin fahren und auf dem Weg dorthin Tierfutterregale fotografieren (derzeitiger Job). Dabei werde ich versuchen, nicht das Gerümpel zu streifen, das heute Nacht laut Wetterwarnung von den Dächern donnern soll.

Ach so, ja, nochwas:

Ich hab schon lang nich mehr gebloggt, aber irgendwie hat mir das auch gefehlt! Hab nur nich so genau gewusst, watt ich schreiben soll, jetzt, wo ich nich mehr im Ausland bin. Also, ähm, nicht, dass nicht genug passieren würde. Nicht, dass mein Leben nicht auch in Köln lustig wäre, oder in Bremen, wo meine Mama wohnt. Mit der hab ich neulich gekniffelt, und (natürlich) habe ich gewonnen. Da hat sie zu mir gesagt: "Man sollte Dir alle Zähne ziehen und nur noch Haselnüsse zu essen geben". Da lag ich vor Lachen unterm Küchentisch. Also...Klopper gibt es genug zu berichten, aber sie müssen ja auch immer in einen Rahmen passen.

Aber erst morgen! Jetzt muss ich mich schön schlafen (*Mist* - Soo lang is die Nacht ja auch nich mehr...)

In diesem Sinne: Carpe noctem.

Lodylette

Helmpflicht für Lodylette!

Montag, 01.08.2011

Ich weiss. Lang its her. Manchmal braucht man einen Anlass zum Schreiben, und wenn es nur ein offenes Fenster ist.

Im Laufe der letzten Woche versuche ich, mit meinem Schädel ein selbiges aus den Angeln zu heben. Doch es gelingt mir nicht. Dafür hebt das Fenster mein Hirn aus den Angeln. Macht aber nix, die Erschütterung hat offensichtlich mein Morsezentrum aktiviert - ich schreibe mal wieder und weiss selber gar nicht, wie mir geschieht.

Das ist wohl ein bisschen wie bei Obelix und dem Hinkelstein - wobei ich mich vorerst mit damit begnüge, diesen Un- als Einzelfall zu betrachten.
Auch wenn‘s nicht das erste Mal wäre, dass ich versuche, mit dem Kopf durch Wand/ Fenster/ Straße/ Mauer/ Kantstein zu brechen.
 
Bereits mit 7 biete ich einem geklinkerten Gartenzaunfundament die Stirn und kurz danach starte ich den Versuch, den Asphalt in der Rüdesheimer Straße durch einen gezielten Kinnhaken aufzubrechen. Beide Versuche verkehren sich ins Gegenteil und müssen mit Nadel und Faden behoben werden. (Dafür darf ich nach der Sache mit dem Kinn eine Woche lang alles mit nem Strohhalm schlürfen, und den gibt’s ja sonst nur an Kindergeburtstagen, yippie).

Mit 27 will ich dann noch mal prüfen, ob ich mit meinem Jochbein gegen einen Bürgersteig antreten kann. Kann ich! Tut aber weh. Im Krankenhaus höre ich mir an, dass das Horn in meinem Gesicht doch auch so bleiben könnte, andere würden für eine Aufpolsterung der Wangenknochen schliesslich richtig viel Geld bezahlen. Ja, denke ich, wenn ich ein halbes Hähnchen wäre -vielleicht! Ansonsten müsste ich noch mal einen Salto mortale über den Fahrradlenker machen und hoffen, dass meine Pirouette diesmal einen Linksdrall hat, damit ich auf der richtigen Seite aufschlage. 
Jetzt, bei der Sache mit dem Fenster, es kein Horn, sondern nur eine Delle und eine perfekte Parklücke für meinen Kamm. Und tut ein bisschen weh beim Lachen. Aber sonst geht’s mir gut.
Ich bin froh, dass das im Büro bei der Arbeit passiert ist, denn sonst hätt ich nicht gewußt, wie ich die Überleitung hinkriege von Bad Gastein zurück in den Kölner Arbeitsalltag.
 
Die letzten 4 Monate will ich nicht unterschlagen, aber ein bisschen kürzen.
Außerdem möchte ich ein Resümee ziehen, was meinen Ausflug ins Ösiland angeht.
Fange ich mit dem Resümee an:

Nie wieder.

Ich hab in den drei Monaten versucht, meine Blogeinträge so unterhaltsam wie möglich zu gestalten, aber die Wahrheit ist, dass ich mich immernoch mit dem Gedanken trage, in einen Luftpolsterumschlag zu ködeln und diesen in die Alpen zu schicken.

Meine motiviertes Vorhaben, die Zeit als eine Art Praktikum zu nutzen, um zu sehen, wie so ein Laden läuft, wird in die Erkenntnis verkehrt, dass ich weiss, wie ein Laden AUF KEINEN FALL LÄUFT, und wie man auf keinen Fall mit seinen Mitarbeitern umgehen sollte, wenn man jemals mal welche hat.

Und: dass ich irgendwie auch mit 37 noch zu doof bin, die Flucht zu ergreifen. Aber der neue Boss wirkt im Dezember letzten Jahres so hilflos, dass man sich allein bei dem Gedanken, auf der Stelle die Koffer zu packen, extrem schäbig vorkommt.
Außerdem: Was ich anfange, muss ich auch unbedingt zu Ende machen. Da bin ich sehr gewissenhaft. Und deshalb hab ich wegen der Renovierungsarbeiten (3 Wochen ohne Pause und bis zu 16 Stunden täglich) schon für den halben Monat Dezember mehr als 200 Arbeitsstunden aufm Tacho. Und das nicht zuletzt, weil die meisten meiner Kollegen einen Werkzeugkasten nur aus "Hör mal wer da hämmert" kennen und die Bauarbeiten daher etwas schleppender verlaufen.

Auf der Hotelbaustelle wird mehr als großzügig mit giftigen Lacken hantiert und unsere „Schutzmasken“ sind ungefähr genauso wirksam wie ne Pudelmütze aufm Mopped. Deshalb sind wir alle (trotz allem) jut druff und wirken wie die Bowlingmannschaft der Betty-Ford. Zum Thema Frischluftzufuhr hat der Boss einen guten Einwand: "Macht mal die Fenster zu, es ist kalt". Da ist er bei mir an der richtigen Adresse. Unser erster Streit entfacht. Eines morgens beim Frühstück, als ich erwähne, dass ich mir nach strammen 14 Tagen durchrenovieren kaum noch ein Brötchen schmieren kann und es ganz angebracht wäre, zwischendurch auch mal einen Tag frei zu bekommen, werde ich des Anzettelns einer Revolte bezichtigt und für einigermaßen unverschämt befunden. Ich muss zugeben, dass nicht nur meine Nerven, sondern auch meine emotionale Intelligenz etwas eingedampft ist. Vielleicht habe ich zuviel Lack geatmet.

Zur Belohnung werden wir stilgerecht wie äh, illegale Gastarbeiter untergebracht. In einem Gästehaus, das vor 30 Jahren den letzten Besucher beherbergt hat (man sieht es und man riecht es auch). Ohne das, was man als Neuzeit-Bürger für ein grundsätzliches Menschenrecht hält: Internet, Radio, TV und Telefon. Und ohne Heizung, die warm wird. Kurz vor Weihnachten fällt sie dann eine Woche lang komplett aus und wir wachen nachts auf, weil uns die Nasen frieren. Die Raumtemperatur beträgt nie mehr als 15 Grad. Wir schlafen voll bekleidet mit Schal und dicken Socken. Die erste Grippe sucht mich heim. Hereinspaziert! Das macht Laune und man geht gestärkt zur nächsten 13-Stunden-Schicht. Krankschreiben? Der Dorfarzt istn lustiger und mit der "Hau-ab-Du-Hypochonder-Attitüde" gibts ne Packung Antibiotikum und n freundschaftlichen Schlag aufs Rückgrat.

Notrufe aus der Kältekammer werden vom Boss (wie eigentlich jede zunächst zart formulierte Anfrage) einem Augenrollen quittiert. Natürlich. Er hat einfach keine Zeit, sich um Bagatellen zu kümmern. Und es ist ihm "so wichtig", das Problem zu lösen, dass es erst wieder warm wird, als Leni (mit der ich mir übrigens das Zimmer teilen muss) einen Heizungsinstallateur in unsere Herberge schleift und diesen erst gehen lässt, als wir alle wieder 37 Grad Körpertemperatur erreicht haben.

Meine Wenigkeit bettet sich in einer ehemaligen Küchennische. Die Wasseranschlüsse ragen aus der Wand und für unsere Klamotten stehen ein paar schimmelige „Schränke“ zur Verfügung, bei denen man annimmt, dass sie beim Flügelschlag eines Schmetterlings zusammenbrechen. Gut, dass wir Winter haben, da sind Zitronenfalter selten unterwegs.

Der Boss fragt mich nebensächlich, ich zu maulen hätte, man könnte schließlich deutlich schlechter untergebracht sein. Das stimmt, aber Guantanamo Bay ist doch nun wirklich ein bisschen weit weg - und außerdem isses da wenigstens schön warm!
Es zieht an allen Ecken und Kanten. Unsere Fenster gehen zum Wald raus und deshalb ist es so dunkel, dass wir tagsüber das Licht anmachen müssen. Wer von sowas depressiv wird, läuft Gefahr, zur Heulsuse zu mutieren, weshalb ich mir Mühe gebe, nur lustiges Zeug zu schreiben und das ganze unter dem Aspekt "Ich mach mal ein Experiment, wie belastbar ich bin" zu verbuchen. Was mir auch manchmal gelingt. Wer mich kennt, der weiss allerdings, dass ich kurz davor bin, den Alpenkamm mit bloßen Händen glattzuziehen oder mich in einem Käsefondue zu ertränken.

Irgendwann im Januar kracht es dann mal wieder richtig.

Der Boss findet, dass wir Mitarbeiter ein undisziplinierter Haufen sind und es nicht verdient haben, uns vor oder nach der Schicht im Hotel aufzuhalten. Sowas würde es in keinem Hotel geben. Dabei vergißt er (aus Versehen), dass es in anderen Hotels aber auch Räume gibt, in denen sich das Personal bei angemessener Zimmertemperatur aufhalten und -zum Beispiel- vor Schichtbeginn umziehen kann. Oder einfach nur mal durchatmen.

Für dieses Problem bin ICH natürlich genau die richtige Ansprechpartnerin. Der Boss verweist auf ein „Personalzimmer“, welches neben dem Skikeller liegt und ganz genau EIN Fenster mit einer Milchglasscheibe hat. Nachdem ich es besichtigt habe, fragt er mich, was ich von unserer Mitarbeiter-VIP-Lounge halte.

„Ganz ehrlich?“ frag ich, und dann zähle ich auf: „Es ist da unten 1. arschkalt, es hat 2. kein W-Lan, es ist 3. nur von außen durch den Schnee zugänglich und es ist 4. vollgestopft mit Gerümpel. Sollen wir jetzt Konfetti werfen?“

Das ist zuviel für ihn. Er rollt mit den Augen und dampft aus beiden Ohren. Den folgenden Satz höre ich nur halb, denn auch mein Gehirn ist kurz vorm Kochen ich bin auf dem besten Wege, aus lauter Wut ohnmächtig zu werden. Er sagt, ich sei wirklich respektlos und dass das Arbeiten mit mir überhaupt keinen Spaß macht.
Äh, ..hä??? Ich bin zugegebenermaßen fassungslos und kratze all mein Benehmen zusammen, das ich jemals besessen habe. Ich setze ihn davon in Kenntnis, dass ich weiterhin meine Meinung sagen und damit auch nicht aufhören werde. Wenn er das respektlos findet, tut es mir fürchterlich leid, wenn er bisher nur angelogen worden ist.

Dann drehe ich mich um, und anstatt den Schweineeimer aus der Küche in sein verkacktes SUV auszuleeren, stampfe ich von dannen und heule. Na toll. Was für eine Performance.

Ergo:
Ich bleibe und alles bleibt beim alten. Und wird auch nicht viel besser. Nach drei Tagen an der Rezeption und erneutem Aneinanderrasseln gehe ich freiwillig in den Zimmerservice, denn da gibt es keine Reibungspunkte und  ich lerne von meiner Lieblingskollegin, wie man ordentlich das Klopapier faltet. Das ist lustig, aber dennoch sehr anstrengend. Gegen Ende meiner Zeit habe ich 5 Wochen lang die Grippe und nehme dreimal Antibiotikum. Ich liege noch eine Woche bei meiner Mama in Bremen und zwei Wochen in Köln flach auf dem Sofa. "Lodylette", sagt mein Körper, "Du kannst ja schonmal Deine nächste Reise planen, ich leg mich erstmal hin und steh nicht vor Sommer wieder auf." Seit Februar trage ich außerdem eine Sehnenscheidenentzündung mit hier herum, die hats sich bei mir ganz gemütlich eingerichtet.

Als kleines Dankeschön kriege ich meinen letzten Lohn einen kompletten Monat zu spät überwiesen, und es werden (unabgesprochen) 400 € einbehalten. WTF!!!!

Das finde ich alles so 'medium'.

Würde man mich jetzt (ernsthaft) fragen, was ich über ihn denke... würde ich mich selbstverständlich dezent zurückhalten. Denn ich bin im dreimonatigen Bootcamp nicht nur rasend schnell gealtert, sondern auch furchtbar weise geworden! Daher weiss ich natürlich auch, dass jeder nur so handelt, wie es ihm möglich ist, und ich lege viel Empathie und Verständnis an den Tag. Ich kann mir vorstellen, dass er ist im Kern sicher ein guter Mensch ist, der das aber unter dem ganzen Streß und in der kurzen Zeit einfach nicht so zeigen konnte.

...

Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, dass es Menschen gibt, die VIELLEICHT und EVENTUELL unter ganz bestimmten Umständen MÖGLICHERWEISE denken, er wäre einem Esel aus dem Arsch gefallen und müsste da GANZ DRINGEND wieder reingestopft werden... Aber nur ganz vielleicht!!! ...Obwohl - ach nee... ich glaub...könnte ich doch nicht.
Dafür reicht meine Fantasie einfach nicht aus.

 

...Ach ja, bevor ichs vergesse. Ich wollte ja NUR KURZ erwähnen, was seit meiner Rückkehr aus Bad Gastein passiert ist. Also, auch wenn es total unspektakulär klingt... und es so gar nicht in diesen Auslandsblog passt... Nach einer kleinen Regenerationsphase bin ich erstmal wieder als Castingredakteurin unterwegs, denn wie schon meine Mudder immer gerne gesagt hat: "Ich hab ja keinen Geldscheißer sitzen". Hätt ich auch nicht gedacht, dass mir das wieder passiert...Wo ich doch 2010 vor meiner Abreise noch ganz großspurig folgende Abwesenheitsnotiz gesetzt  hab (kam auch super bei meinen Vorgesetzten an):

"Lieber Mailer, ich bin mal kurz Zigaretten holen - und komm nicht zurück!" 

Naja... kommt halt immer anders, als man denkt... Und vielleicht gehe ich ja bald wieder auf Reise und nehm Euch mit... Nee, nicht vielleicht, sondern ganz sicher!! Aber für sone Reise (das weiss der geneigte Leser) muss ne alte Omma lange stricken oder erstmal einen Mäzen aufgabeln.

Beides braucht Zeit - und bis dahin müsst ihr Euch einfach mal ein bisschen gedulden. Und soviel is klar: Ich kanns selber kaum abwarten.

So. nun muss ich mir mal den Kamm aus der Parklücke ziehen und mich Bettfein machen. Die nächsten Einträge folgen – falls ich nicht noch mal zufällig mit dem Schädel gegen ein offenes Fenster donnere und schlagartig wieder in die Schreibstarre falle. Und spätestens, wenn ich das nächste Reiseticket in der Hand halte. Aber sowas von!

Ab morgen mit Helm,

Lodylette

für die Kunst

Donnerstag, 03.03.2011

Verzeiht mir. Ich habe Euch wochenlang kläglich im Stich gelassen. Ich hoffe doch wirklich, Euer gemütlicher, geregelter Alltag ist nicht allzusehr in die Ödnis abgedriftet, während ich im sibirischen Arbeitslager... So, genug gejammert.

Es haben sich ja auch ganz lustige Dinge zugetragen. Neulich zum Beispiel, als Bad Gastein mal wieder Gastgeber für die Red Bull Play Streets war. Das ist eine alljährliche Veranstaltung, bei der eine Rampe mitten durch die Stadt gebaut wird - über Straßen, Fußwege, Wohnhäuser und Hotels, und von der sich die besten Trickskifahrer der Welt dann quasi in den Abgrund stürzen. Freiwillig!

Wer das noch nicht weiss: Bad Gastein liegt am Hang, und vom tiefsten bis zum höchsten Punkt des Ortes muss der Gasteiner (oder Gastarbeiter - so wie icke) 80 Höhenmeter überwinden. Zu Fuß. Das ist dermaßen anstrengend, dass ich mir schon Sorgen um mein Bindegewebe mache...Es wird täglich straffer...um Gottes willen! Am End muss ich noch aufs Titelblatt der Sports Illustrated und Heidi Klum is voll eifersüchtig auf mich, weil ihr Gatte mich heimlich angeiert, wenn er uffm Klo sitzt! Pfoah.. nee, echt, ich hab schon genug Stress anner Backe...ab heute nur noch Taxi...

Jedenfalls...kommt es, dass auch ich mein uraltes Gebälk hin und wieder des Abends in die Aprés-Ski-Bar schiebe, die zu Zeiten der Play Streets nicht nur von 20-Jährigen schwedischen Gastarbeitern, sondern auch von 20-jährigen Trickskifahrern bevölkert werden. So steh ich da also rum und warte, dass ich aufs Klo kann, da wird Leni, das Akquisewunder, von sonem Jungspund in die "Riders Lounge" eingeladen. Die "Lounge" sind drei Stehtische, mit Seil abgetrennt. Auf den Tischen steht Wodka, und ratet mal, was noch, jawoll, Red Bull. Und wie von Geisterhand füllt sich mein Glas, und wieder und wieder! Bis mir meine innere Stimme sagt "Liebelein, geh besser heim" und ich wankend den Weg (zum Glück bergab) nach Hause antrete.

...Es ist gegen 2 Uhr nachts und ich habe das dringende Bedürfnis, noch eine eMail zu schreiben, also wähle ich den Weg zum Hotel. Ich habe keinen Schlüssel für die Eingangstür, aber vor mir wankt ein Gast, und der hat einen. Nuschelnd verständigen wir uns, dass er die Tür aufmacht und ich mit reingehe.

An der verlassenen Rezeption lächelt mich der Rechner an. "Komm her, Blume der Nacht! Was willst Du im Keller und umständlich an deinem Laptop rumnesteln, bis er hochgefahren ist, graut der morgen!! Setz Dich zu mir und beglücke meine Tastatur mit Deinen zarten Fingern! Komm schon, eine Mail geht...!! Dich sieht doch keiner... Und selbst wenn... Du siehst Bombe aus, Baby... Aber Hallo!!"

"Poaaaaaaah" denke ich, "hoffentlich bringe ich nicht das ganze Buchungssystem durcheinander oder lösche versehentlich die Festplatte", da bin ich schon mitten am Schreiben dran. Mittlerweile ist es gegen halb 3. Gefühlt. Plötzlich - steht ein Russe vor mir. Mit Gepäck! Huäää? Um halb drei nachts..? Oh nein, es sind sogar drei, und sie haben zwei Zimmer gebucht! Ein Doppel und ein Einzel.

*Kreisch* - wie soll ich die in meinem Zustand ordentlich einchecken?? Ist das ein Komplott? Versucht man, mich auf diese perfide Art und Weise unehrenhaft aus meinem Vertrag zu entlassen? ich fänds ja schön..!

Ich überlege mir, ob ich Ihnen sage, dass ich eigentlich gar nicht da bin, aber ich vermute, dass sie mich schon gesehen haben. Denn sie schauen mich an.

Ich schaue mich um: Rechts und links sitzt niemand. Also müssen sie mich meinen. Ich lass mir nichts anmerken... Ich atme tief ein, halte die Luft and und hoffe, dass sich keiner von den dreien eine Zigarette anzündet, denn mit dieser Fahne sehe ich einer gefährlichen Verpuffung entgegen. Aber sie sind brav, sie rauchen nur im Zimmer - wie ich am nächsten Tag beim Putzen feststelle (das Hotel ist übrigens ein Nichtraucherhotel).

Doch zurück zum Handlungsstrang...

Einer der drei Neuankömmlinge fragt mich nach dem zweiten Zimmerschlüssel, den man im hinterlegten Umschlag nicht finden könne. (Ach, puh! Hinterlegt...also doch kein Komplott...irgendwie scha..)

Es ist soweit: Ich kucke so blöd, wie sich mein Kopf anfühlt. Shit! Jetzt muss ich den Kollegen auch mit dem Generalschlüssel das Zimmer aufschliessen, aber wie komm ich in den dritten Stock, auf allen vieren... Uiuiuiui...ich fühle mich wie der Kellner aus "Der 90. Geburtstag", aber ich reiße mich ordenltich zusammen und bin froh, dass im Foyer kein Eisbärenfell auf dem Boden liegt. Ich atme tief ein und gehe ganz doll geradeaus und treffe den Fahrstuhlknopf gleich beim ersten Mal. Yeah!

Welches Zimmer denn das größere wäre, fragt einer der drei im Fahrstuhl, und ich frage mich, wie ich antworten kann, ohne dabei auszuatmen. Die Frage ist berechtigt, denn es handelt sich um ein Pärchen und eine Einzelperson. Verschärft denke ich nach...die 105 ist ziemlich groß, aber die 9er-Zimmer, hinten raus, das sind doch alles Dreibettzimmer, also müsste es für das Pärchen okay sein, da zu wohnen... "Pffffffffuuhhhhh" entfährt es mir, nachdem wir aus dem Fahrstuhl raus sind, "letsss have a lookkkk..." und öffne die Tür zur 105, einem der größten Zimmer des Hauses. "Sssisiss quite big...but I sssink the 309 one is also a big one...it has, glaub ich, 3 beds...maybe better for se kappl"

"Yes, perfect, I take this one" sagt der Single und wirft die Tür hinter sich zu. Gut. Das ging ja ohne Gerangel. Bestens.

Ich konzentriere mich, das Pärchen in das andere, große Zimmer zu bringen - welches sich beim Öffnen der Tür als Streichholzschachtel entpuppt. Oh. Schluck. Da hab ich mich wohl vertan. Ist wohl das einzige 9er-Zimmer mit nur 2 Betten... Und ich glaube, das Kappl findets auch nicht sooo toll. Lassen sich aber beide trotzdem nichts anmerken (zumindest merke ich es nicht mehr). Nun ja. Ich verabschiede mich so gut ich kann, wünsche eine angenehme Nachtruhe und finde mich wieder an der verlassenen Rezeption ein.

...Ob die gemerkt haben, dass ich nicht mehr so ganz nüchtern bin, frage ich mich... und kurz, bevor ich mir antworten kann, dass ich beim Blick in den Spiegel grad noch dachte, ich sei von Picasso gemalt, da rumpelt es erneut im Treppenhaus.

Und dann stehen vier Gäste vor mir, mit gepackten Koffern. Schockschwerenot!

Huääää? Um drei Uhr nachts?!! Vaddi hält mir den Zimmerschlüssel hin. „Mist, sie haben dich gesehen!!“ denke ich und versuche, die Lage ohne Worte in den Griff zu kriegen. Ich ziehe Augenbrauen und Mundwinkel hoch (glaube ich) und versuche, ein freundlich-professionelles Gesicht zu machen. Immernoch schwebt der Schlüssel vor mir. Ich bin kurz davor, hypnostisiert zusammenzusacken. Aber dann die rettende Eingebung. Ahhh..!! Die wollen abreisen!

„What, in se middle of se night?” entfährt es mir. Vaddi, Muddi und die Kinder lachen mich an, und ich lache zurück! „Yes“, entgegnen sie fröhlich (ob meines Anblickes offenbar reichlich amüsiert), „we’ve already paid in the afternoon“. „Ahh, Awesome“, and „wonnnerful, haha“ sag ich und nehme den Zimmerschlüssel entgegen. Wir lachen uns wieder herzlich an. „Have a good Trip back!“ schmetter ich ihnen hinterher, aber sie stehen noch vor mir. Dann bedanken sie sich artig und ziehen von dannen.

Ich frage mich, ob sie wirklich schon ausgecheckt und bezahlt haben, aber Betrunkene haben ja einen Schutzengel, und der wird’s schon richten. Denk ich. Während sie so durch die Tür verschwinden frage ich mich, ob sie eventuell erkannt haben, dass ich ein Gemälde bin, und dass mir ein Auge auf der Stirn und das andere am Kinn hängt...

Die Frage wird gelüftet, als mir am nächsten Tag von der Rezeptionistin zugetragen wird, dass man angerufen hätte, um zu fragen, ob denn der Zimmerschlüssel noch da sei, denn man hätte nicht gewusst, ob es eine so gute Idee gewesen wäre, ihn der betrunkenen Frau an der Rezeption in die Hand zu drücken.

Also, ich finde schon... So konnte ich wenigstens mal wieder ne Nacht im Hotel schlafen (bis zu unserer Herberge hätt ichs eh nicht mehr geschafft). Ich hab mir sogar noch das Bett frisch bezogen und mir mit einem Handtuch die Zähne geputzt! (mit einem frischen).

Ganz im Gegensatz dazu gibt es hier ja Kollegen, die sich nach einer durchzechten Nacht im Hotel-Whirlpool mit nassen Haaren einfach vor die Haustür in den Schnee setzen und dort mit dem Kopf zwischen den Knien regungslos verharren, als hätte man sie gerade mumifiziert aus einem Inka-Grab gehoben. Nachdem ich heute morgen fast über so ein Exemplar gefallen wäre und auch noch meinen Bus verpasst habe, weil ich dem Alkohol-Opfer selbstlos ins Bett geholfen habe (mit Eimeransbettstellen, was bin ich für eine gute Mutter!), bin ich froh, dass ich es -selbst im tiefsten Rausch- noch immer schaffe, mich allein ins Bett zu bringen und mich auch eigenhändig sauberzumachen..! Auf Mrs. Doubtfire ist eben Verlass.

Zur Strafe habe ich nach meiner Nachtschicht allerdings am nächsten Tag einen ziemlich üblen Kater. Da ich aber eh nicht aufrecht gehen kann, kommt mir meine Glöckner-von-Notre-Dame-Haltung beim Toilettenputzen gerade recht...Hat doch alles auch seine guten Seiten... Es heisst ja nich umsonst: Wer saufen kann, kann auch arbeiten - in meinem Fall sogar besser!

In diesem Zusammenhang finde ich es übrigens jammerschade, dass ich heute meine letzte Putzschicht hatte und ab morgen im Coffeeshop am Bahnhof arbeiten werde, der neuerdings zum Hotel gehört... Denn jetzt muss ich mir wohl nen nen anderen Grund überlegen, mich des nächtens in einen Picasso zu verwandeln. Aber mir wird schon noch was einfallen. Und Leute...jetzt bitte nicht den moralischen raushängen lassen - is doch schliesslich alles für die Kunst! Also bitte!

In diesem Sinne:

Eishockey..Kanufahrn...Wirsing...!!!

 

Und hier noch ein paar künstlerisch wertvolle Bilder. Soll ja nich umsonst gewesen sein, der Rausch...

Raus ausm Keller - rauf aufn Berg

Donnerstag, 17.02.2011

Ich will ja nich nur meckern...hier mal wieder n paar schöne Bilder!

 

Körperkunst

Mittwoch, 16.02.2011

Die Magen-Darm-Grippe geht um, und als Klofrau vom Dienst bin ich ja die erste, die's erfährt. Ich finde das nicht schlimm (Gummihandschuhe,Sagrotan)!

Ich finde es nur interessant, dass Männer weitaus mehr Probleme damit haben, der optischen Resultate ("Verzierungen" - danke, Maggus!) ihrer hyperaktiven Darmtätigkeit mit einer Klobürste zu Leibe zu rücken als Frauen. (Dank meiner schlauen Liste weiss ich ja, welches Geschlecht welches Zimmer bewohnt - meistens rieche ich es auch schon, bevor die Tür aufgeht.)

Und jetzt frag ich Euch: Warum ist das nur so? Männer ziehen in den Krieg, schlachten Tiere, poppen Frauen wie die Gsell (sind also vor nix fies), aber Sommersprossen aus der Kloschüssel wischen- igitt? Geht es da um Wehmut oder Verlustängste? Oder gar Kunst? Oder...um die motorichen Fähigkeiten, die Männer und Frauen voneinander unterscheiden? Vielleicht sind Männer ja nur fürs Grobe da. Kann aber eigentlich auch nicht sein... denn warum gibts dann trotzdem soviele Feinmechaniker, Uhrmacher und Goldschmiede..? Vielleicht, weil man aus Scheisse kein Gold machen kann!

Dass man aus Scheiße aber sehr wohl Worte formen kann (siehste ja an diesem Blog), darüber bin ich dankbar und froh. Wie ein Spatz im Hafenklo.

Mit diesen besinnlichen Worten beschliesse ich den heutigen Blogeintrag, kurz und knackig.

Hier noch ein bisschen Kunst zum Thema Verdauung. Sind ja nicht zum Spaß hier!  

Mit freundlichen Grüßen aus der Darmabteilung

Lodylette

 

P.S. für den Inhalt von dem Scheißlink da oben bin ich nicht verantwortlich!!

P.P.S. Nein, ich möchte keine Bilder geschickt bekommen.

Herr Brandlhuber

Montag, 14.02.2011

Bin noch nicht tot!

Ich war nur krank, ziemlich lange (so ungefähr 2 Wochen), und da ich ja (wie bereits erwähnt) in unserer "Herberge" kein Internetz habe, fällt es mir zusehends schwerer, nach getaner Arbeit noch im Hotelkeller auf dem Wäschetisch zu hocken, um zu bloggen. Ich bin ja froh, wenn ich abends raus bin, obwohl ich hier, am Arsch der Alpen, auch gar nicht weiss, was ich nach Feierabend machen soll.

Wirklich: Bad Gastein muss ein Arsch sein. Ein Frauenarsch. Und ich wander täglich von Loch zu Loch! Vom Wohnloch ins Kellerloch. Durchs Tal. Meistens auch im Dunkeln (hier geht ja früh die Sonne unter).

Das mag für den einen oder anderen Leser vielleicht nach ner berückenden Metapher klingen (nech, Maggus) - aber mir macht es wirklich keine Freude! Wo ich doch sowieso nur auf Männer stehe...

Apropos Männer.

Das Highlight meiner bisherigen Zimmermädchenkarriere ist -vor ein paar Tagen- ein kürzlich begattetes Taschentuch, das ein Gast pflichtbewusst in einen Klapp-Mülleimer entsorgt hat.

Als ich den Deckel öffne, um den Müllstand zu kontrollieren, tränen mir die Augen. Verdammte Axt, wofür gibt es Toiletten?? Ich muss dazu sagen: Es ist das einzige, was sich in der Tüte tummelt und ich habe eine feine Nase (wofür ich nicht immer dankbar bin - diesmal besonders! Nicht.). Und ja, es gehört zu meinen Aufgaben, Mülleimer zu entleeren. Aber... andererseits... is das besser als gar kein Sex! Oder?

Kurz denke ich darüber nach, ob das meine Chance ist, mit 37 noch schnell schwanger zu werden. Aber... ich weiss ja nicht, wie er aussieht...Vielleicht ist er furchtbar hässlich! Ich schaue auf die Liste. Er heisst so ähnlich wie Brandlhuber. Hm. So heisst doch kein attraktiver Mann! Wahrscheinlich ist er klein, untersetzt, knorrig wie ne Baumwurzel (auch untenrum), trägt einen gewaltigen Schnurrbart, hat rote Backen, Wurschtfinger und trägt seit seiner Geburt nen Tirolerhut. Ein Super-Alpen-Mario. Hm...Ich könnts ja drauf ankommen lassen! Ne Eismaschine haben wir in der Küche, und dem Geruch nach zu urteilen ist der Schleudervorgang des Herrn Brandlhuber noch nicht allzulange her.  Die Plastiktüte hab ich noch in der Hand und der Arzt is gleich um die Ecke!

Hm. Ich ringe mit mir, ich kämpfe! Nach vielen, quälenden Millisekunden entscheide ich mich dagegen.

Das Risiko ist mir zu groß - am Ende ist die Ermakova nicht die einzige gestrafte Samenräuberin, und die internationale Regenbogenpresse wird mich und mein Kuckucksei bis in alle Ewigkeit verfolgen! Aber wer weiss... vielleicht ist der Brandlhuber ja gar kein steinreicher, unansehnlicher Sack... Wenn er soviel Knatter wie der Becker hätte, dann könnte ich das Kind ja wenigstens direkt bei Dr. Mang am Bodensee zur Welt bringen und mich wochenlang mit Schampus vollaufen lassen, bis mein Kinderüberraschung mir optisch zusagt und die Narben verwachsen sind..!

Doch am End... ist der Brandlhuber ein Mittelloser - und ich muss die angefallenen Klinikkosten vom Kindergeld bezahlen. Wo kommen wir denn da hin... ich brauch ja auch ein bisschen was zum Leben (Gala-Abo, Schuhe, Lidschatten) - nee nee. Nicht mit mir! Daaa kann der Brandlhuber sich ne andere Dumme suchen. Aber Echt! Was denkt der denn..

So ein Widerling...

Ein unschuldiges Zimmermädchen sexuell belästigen..!

Alter Wichser.

 

Ansonsten gibt es kaum Neuigkeiten. Mein Leben besteht (seit dem Disput mit der Chefetage) aus Sagrotan und Gumminhandschuhen und ich bin mir sehr, sehr sicher, dass ich nie wieder einen unterbezahlten 6-Tage-Woche-Saison-Job annehmen werde. Sehr sicher. Nicht.

Ich könnte ja meine Sachen packen und wieder nach Hause fahren, aber ich habe meiner borstigen Freundin vom Kölner Arbeitsamt ja versprochen, dass ich nicht vor April wieder bei ihr auf der Matte stehe. Und versprochen ist versprochen. Dabei würde ich das so gern, denn ich hab sie beim letzten Termin echt ein bisschen lieb gewonnen. Ich kann das nur nicht so zeigen!

So sitz ich also hier und denke über den Sinn meines halbverkorksten Lebens nach (Klofrau mit Akademikertitel) und ob ich vielleicht doch noch mal das Taschentuch...hässlich hin oder her, Kind is Kind! Und sind wir nicht da, um uns zu mehren??

 

In diesem Sinne...bin mal kurz im Schuppen, Müll sortieren.

 

Herzlichst!

Lodylette

 

 

 

 

Dramaqueen

Dienstag, 25.01.2011

"Danke, dass Du mir Deinen Rucksack geliehen hast", sagt Leni.

"Da nich für!", sag ich, "wie waren denn Deine 4 Tage München?"

"Schön!", sagt Leni. Und packt weiter aus. "Ha, weisst Du, was ich in Deinem Rucksack gefunden habe, bevor ich losgefahren bin?"

"Nee, was?" (Ich freu mich schon auf ne tolle Überraschung...vielleicht n Hunni...oder zwei!!)

"Eine total verschimmelte Mandarine!!"

"Uäh! Die is noch vom Dreh, die wollte ich auf der Alm essen...hast Du sie wenigstens entsorgt?" .

"Nein" sagt Leni und griffelt das pelzig-seidene, ehemals orangefarbene Obst aus der Rucksackseitentasche. "Ich habs vergessen".

Ich bin froh, dass sie bereits nach 4 Tagen zurück ist...

Fast hätten wir uns ja gar nicht mehr gesehen, denn ich habe schon 10% meines tonnenschweren Gepäckes gepackt, nachdem ich mich letzten Freitag mit dem Boss entzweie. Vor Publikum.

Seit Freitag bin ich also vogelfrei, und mal abgesehen von einigen existenziellen Ängsten (wo soll ich nun hin, werde ich für den letzten Monat noch bezahlt?) geht es mir eigentlich blendend. Man muss sowas einfach mal aushalten. EInfach mal die Kündigung aus der dicken Hose ziehen. Und dann merken, dass man gar keine anhat.

Natürlich verhalte ich mich wie ein sozial aufgeweckter Mensch und schicke dem Boss via eMail zwei Stunden nach meinem spontanen Abmarsch eine Erklärung, dass ich normalerweise eigentlich ganz anders bin (bin ich auch!), und dass ich normalerweise nicht mitten in der Schicht meinen Arbeitsplatz verlasse. Dass ich aber mal frische Luft brauchte und dass es glaub ich besser wäre, wenn wir uns nun doch beruflich trennen (was er mir ja schon einmal vorgeschlagen hatte). Und dass ich nichts dagegen hätte, noch bis Monatsende ins Housekeeping zu gehen (ich war zwischenzeitlich an der Rezeption gelandet), damit wir weniger Reibungspunkte haben, (weil Putzen kann ich ja schliesslich, und Kackschüsseln haben auch keine Widerworte).

Ich höre dann erstmal bis Sonntag Abend gar nichts, außer einer Ankündigung eines Telefonats, das dann aber doch nicht stattfindet.

Also beschließe ich am Samstag, mir ohne Job, Geld und Ahnung, wie es weitergeht, erstmal einen bunten Tag in Salzburg zu machen. Bunt, weil in Salzburg am Samstag internationaler Karneval gefeiert wird, mit verkleideten Sambatruppen aus aller Welt. Sehr schön! Hin geht’s mit dem Zug. Die Fahrt ist schön, und yippie, da sind ja Berge!! Die hab ich bisher noch nie gesehen.

In Salzburg muss ich mir zur Feier des Tages total überteuerten Lidschatten kaufen (11 € das Einzelstück), weil mir der letzte im Dezember, als wir in die Wohnschabracke ziehen, beim Anblick unserer Badezimmerfliesen  aus den gelähmten Fingern gleitet und ich fassungslos zusehen muss, wie die vielen Euros zu Staub zerfallen. Im der Parfümerie lass ich mich erstmal ausgiebig schminken. Von einer Frau, die wie eine Untote aussieht (wenigstens eine hübsche). Danach seh ich selber aus, als hätte man versucht, mich mit ein paar Schlägen auf die Augen ins Jenseits zu befördern (an alle Männer: Das nennt man Smokey Eyes). Dann lass ich mir direkt alle drei Farben einpacken. Runde 45 €. Egal. Wenn man schon das letzte Gehalt (das man noch nicht mal aufm Konto hat) aufs Spiel setzt, dann richtig.

Danach geh ich zum Inder und lasse mich als einziger Gast vom einzigen Kellner fürstlich bedienen.

Später am Abend, im Zug nach Bad Gastein, frage ich mich, wann der (Ex)Boss anruft. Die Frage bleibt ungeklärt. Er meldet sich nicht. Egal. Ich kenn das! Ging mir mit Männern öfter so.

Dafür melde ich mich am Sonntag bei dem Makler, der mir eine seiner Hütten an der B80 unterjubeln wollte, und der mir sicher schnell irgendeinen Job besorgen kann. Man munkelt, er trüge den Spitznamen "Jo Asyl", seit er hier in der Gegend ein Asylantenheim aufgemacht und sich vom „Erlös“ einen Porsche gekauft hat. Egal. In der Not... „Und verschlechtern kannste Dich ja nich“ – sagen die Sugardaddys auch.

Jo ruft mich also am Sonntag um halb drei an und ordert mich gegen 14:45 zu Luigis Skischule. Hier will er mich seinen Freunden vorstellen (alles nette Jungs, nur die Hemden ein bisschen weit aufgeknöpft - "...nein, das sind keine Brusthaare"). Kaum in der Tür, kommt eine verdächtig aussehende Buddel auf den Tisch und die Jungs wollen mich zum lockeren Kennenlernen direkt mit Bacardi-Fanta abfüllen. Da muss ich aber schon wieder los - zu meiner nächsten (vielleicht letzten) ursprünglich geplanten Schicht. (Ich weiß ja jetzt auch nich, ob ich wegbleiben soll, oder einfach wieder so reinspaziere, mit den Worten "Heeee Boss, war nur'n Spaß, vorgestern". Ich denk mir aber, falls die nun doch alle auf mich warten wärs blöd, wenn ich zur selben Zeit sternhagelvoll in Luigis Skihütte von der Bank kippe.)

Als ich mich also nach 3 Minuten wieder von meinen neuen Freunden verabschieden muss, gibt mir Jo noch einen Ratschlag mit auf den Weg: "Doss dir vom Boss nett uffm Kopp scheissen lässt, heerst, Dirndl! I find dia scho a Tschobb, 1500 € netto garantiert, dich loss ma net hänga!!"

Mit derart guten Aussichten auf ein Leben in Saus und Braus (zumindest mit Bacardi-Fanta) fahre ich dekadent mit Taxi zum Abschiedsdialog ins Hotel (ich komme nie zu spät, selbst, wenn ich eigentlich gar nicht arbeiten muss – aber erst, seit ich in den Bergen bin) und harre dem Boss, der…nicht da ist. Und meine Schicht hat auch schon der Kollege übernommen. Und im Dienstplan stehe ich auch nicht mehr.

Gut, dann kann ich ja jetzt meine Sachen packen und meine Wäsche aus dem Keller holen. Am Ende isses so viel, dass ich schon wieder ein Taxi rufen müsste, denn getragen kriege ich den ganzen Schunder auf keinen Fall.

Zwei Stunden später (ich sitze auf gepackten Taschen) kommt der Boss endlich an. Ich freue mich auf unsere Plauderei. Dafür habe ich mir auch extra die Haare von den Zähnen rasiert. Ich habe schon die Überstundenliste parat und überhaupt alle Argumente, warum ich ab sofort bis Monatsende nicht mehr arbeiten müsste und warum es eh besser wäre, wenn ich sofort gehe, da isser auf einmal…nett. Sehr nett! So ganz anders, als ichs erwartet hätte!! Och Mannooo..! Ich will doch eigentlich nicht mehr! Ich will doch weg..! (Aber wohin.. und obs da dann besser is… ich mag doch gar keinen Bacardi...und das Team, das is ja auch so nett!)

Naja. Jedenfalls… einigen wir uns, dass ich erstmal noch ein bisschen bleibe. Und dass ich wieder in meinen geliebten Keller ziehe, um von hier aus das Housekeeping zu organisieren. Und selbst zu putzen.

Und hier sitz ich am Sonntag abend, auf ner umgedrehten Box, zwischen Latten und Leiter mit Stromversorgung von der Werkbank. Neben mir Leni, die hockt auf nem Tisch und hat ihr Laptop am Bügelbrett angestöpselt.

Sie fragt mich grad das dritte Mal, wann wir gehen, und da ich vor ner Stunde schon zweimal gesagt habe „in 15 Minuten“, denk ich dass ich damit jetzt wirklich nicht mehr durchkomme. Obwohl…sie ist ja ein bisschen vergesslich…zumindest, wenn es um verschimmelte Mandarinen in geliehenen Rucksäcken geht.

Also dann…muss ich jetzt wohl leider los! Natürlich werden wir auf dem Rückweg noch bei unseren Sugardaddys vorbeischauen und uns ein kleines Feierabendlikörchen gönnen. Nach all den Turbulenzen der vergangenen Tage..!

Was meine „berufliche Situation“ angeht, bin ich sehr gelassen. Ich habe ja die Bacardi-Gang im Hintergrund. Und zur Not mach ich ein B&B an der B80 auf. Oder ich zieh ins Asylantenheim.

In diesem Sinne…auf zum nächsten Drama!

Herzlichst, die reinkarnierte Lodylette

Neues von der Alm

Montag, 17.01.2011

Himmel, die vergangenen sind gleichzeitig die besten drei Tage in Bad Gastein!

Das Filmteam ist da und ich hab das erste Mal so richtig Spaß.

Den ersten Tag verbringen wir im Hotel, den zweiten gehts aufn Berg. Nachdem ich das letzte Mal vor 7 Jahren (ohne hinzuschnauzen) snowboarden war, geht mir gestern morgen um 09:00 Almödizeit so richtig der Stift, als ich mir vor laufender Kamera wieder das Brett unter meine "strammen Wadeln"* schnalle (*Sepp aka Supermakler, der mir heute ein B&B an der Bundesstrasse mit den Worten - "du musst net immer olls so negativ sehn, schaust dir liaber mal des schönä Tal an! Die Stroßn heerst nua, wois müdä bist") schmackhaft machen will.

Der Tag ist ein Knaller. Leni und ich schaufeln gefühlte 800 Kubik Schnee und machen aus dem sibirischen Gefangenenlager ein "Help&Drink"-Happening. Klappt super, so dass uns noch ordentlich Zeit bleibt, dummes Zeug anzustellen und hier und da mal nen kleinen Jägermeister zu kippen. Natüüüüüürlich nur für die Kamera - und als Vorbild für die Jugend.

Danach gehts hoch auf die Bellevue-Alm (die älteste Skialm Europas) mit dem durchgeknalltesten Wirt, den die Bergwelt zu bieten hat. Ich übertreibe nicht. Wir werden mit Essen vollgestopft (lecker und hochkalorisch) und müssen bechern. Gnadenlos. Marillenschnaps, Bier und ...Steinpilzbrand! "Pfuideibel" denk ich, bevor ich den ersten Schluck im Hals hab, "das Zeug riecht ja wie eingeschlafene Füße". Schmeckt auch so, aber nach dem dritten Schluck gehts.

Als ich so richtig dudeldick bin, rote Backen hab und meine Sehmuskeln komische Sachen machen (unabgesprochen), kommt die Schuhplattlertruppe. Und wir müssen ran. Ich lerne zwar nicht Platteln, aber wir machen lustige Hütchenspiele. Vorher wird mir vom Chef der Truppe aufs Übelste die Frisur verhunzt- dann setzt er sich meinen beschleiften Haarreif ins schwitzende Haar. Dann muss ich Walzer tanzen. Mit einem jungen Mann, der ein dentales Highlight zu bieten hat. Egal, ich bin betrunken und tolerant.

Irgendwann sitzen Leni und ich dann lattenstramm zwischen der Trachtengang, werden von einheimischen Klängen beschallt und beim Schunkeln gefilmt. Peinlich. Ich möchte  verpixelt werden.

Heute morgen dann bretter ich mit dem windigsten und lustigsten Makler des Salzburger Alpenlandes durch Bad Gastein und werde von diesem aufs Übelste und Lustigste angebaggert. Schon beim ersten Objekt muss ich mit Sepp einen Kurzen bechern (Vogelbeerschnaps), und nach dem Dritten gehts zu seinem Kumpel Hans in Hexenhäusle. Da gibts in der Mittagszeit auf nüchternen Magen einen viertel Liter Weißwein, und zwar aus Hansis Hosenstall serviert (Flasche rin, Bein heben, ausgiessen). Danach muss ich seine Weinkanone auch noch anfassen! Vor laufender Kamera (...auch da tät ich mich gerne später verpixeln lassen...)

 

RESUME: War sauanstrengend, aber spitzenmäßig!!! Jetzt fall ich erstmal tot ins Bett, träume von Schnee, Schnaps und Schnäpperli, aus denen Wein in Bächen fließt.

Servus, mochts guad!

(Oder so.)

Ich lern das nie...

Egal.

Tschüß!

07:00 - früh uff gut druff!sitzen auf 2 cm rückbank.kein problem, solange die tür nich zu is!ab durchn tunnelruff uffn berch!yeehawobenfeuchte knutscher von leni. i love it!die regina bar in sportgastein - bevor wir die 12 tonnen schnee geschippt habenweronika und mark, help&drink friends from londonle moi uffm boarddie wehen! die wehen!kind is raus, weiter gehtsla leni & la lette ...oder auch lofi und lofispäter, auf der bellevue-almim hellen mondenscheinkehren wir uns rippchen reinyeeehaw! o'plattlt is!der letzte walzer. kurz, bevor es dunkel ward.

neues ausm Klo

Donnerstag, 13.01.2011

Gestern abend sind Leni und ich auf dem Nachhauseweg ganz aus Versehen bei Fips und Benny reingestolpert, haben uns mit Jägermeister, Prosecco-Aperol, Obstbrand und dreckigen Witzen den Feierabend verhübschen lassen.

Danach haben wir uns überlegt, in einer Nacht- und Nebelaktion noch schnell (lattenstramm, aber hochmotiviert) eine neue Klobrille anzuschrauben.

Wir, das waren ich. Aber Leni hat spitzenmässige Bilder geschossen! Und ich find, ich mach als Klofrau wirklich eine geschmeidige Figur...Vielleicht sollte ich mich mit nem mobilen Klowagen selbstständig machen - das geht ja auch überall auf der Welt! Und schon war sie da, die neue Lebensaufgabe.

In diesem Sinne: http://www.buddelbini.de/gfx/blechschilder/16578.jpg

hm. what..? ...das bild machts auch nicht leichter...eher komplizierter! ---tja. erstma die schrauben reinfummeln. so. getz habbichs! wohin mit den verdammten tintenfischringen?? egal. einfach mit reinbasteln jau! fühlt sich super an.by the way...fancy klobürste oder what!! schrauben kann so schön sein<3 ! jooooooaaaaa...geht.toll- geht auch auf! noch das letzte schräubchen...eh voilá!!!!!!! ...sitzt!

Neues aus dem Wäschekeller

Montag, 10.01.2011

Wenn ich mein alpines leben mit dem mediterranen vergleiche, dann fallen mir zu hiesigem eigentlich gar keine dollen Dinge ein. Hm. Nein, wirklich nicht. Ich wüsste nicht, was hier besser wäre als auf Mallorca oder wenigstens als zu Haus in Köln. Dabei strenge ich mich wirklich an! Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich bisher nur Arbeit und erst am Sonntag einen Tag frei hatte, den ich schlafenderweise verbrachte. ("Ich war auf den Seychellen" "Und, wie wars?" "Voll öde" "Was hastn gemacht?" "Geschlafen")

Ich wollte ja gestern eigentlich spazieren gehen, aber dann wars plötzlich 16:00 Uhr und dunkel! Scheiss Berge, sag ich ja. Außerdem war ich total müde, und nach einer Woche Spätschicht bin ich erst um 8 und nach einem Likörchen so richtig zurechnungsfähig. Abends.

Heute jedoch sollte mein Leben wieder Richtung kriegen. Heute hab ich in die Frühschicht gewechselt und bin jetzt wieder als Zimmermädchen unterwegs. Eigentlich muss ich deswegen um 6 Uhr (!) anfangen, weil ich Mary vertrete, die jetzt auch mal verdiente zwei Tage frei hat. Und weil ich die einzige bin, der man diese verantwortungsvolle Aufgabe zutraut. Tolle Wurst, wenn man nicht mit zwei linken Händen und alles Daumen geboren wird...Hmpf. Ich kann mich einfach nich doof anstellen, dabei würde ich es ja so gern!

Jedenfalls... muss Mary normalerweise von 6 bis 9 Uhr morgens die allgemein zugänglichen Räume wienern, bevor sie sich zur normalen Schicht mit dem Wischmop in die Zimmer schwingt. Das muss man sich mal vorstellen..! Also hab ich mich gestern von 10-12 (nachts) hingestellt und das Hotel untenrum frisch gemacht, damit ich heut morgen zwei Stunden länger schlafen konnte. Die Zimmer hab ich dann mit meiner schwedischen Kollegin, die mir während der Arbeit ein bisschen schwedisch beibringt, dann sage und schreibe in 7.5 Stunden fertig gekriegt. Ohne aber die angefallene Wäsche zu waschen und die Hausmädchenschränke in den einzelnen Etagen aufzufüllen, was unbedingt sein muss, damit man nicht wegen jedem Handtuch in den Keller eiern muss. Das heisst also: Würde man die ganzen anfallenden Aufgaben an einem Tag in einer Schicht machen, wäre man locker 11-12 Stunden am Werk, und das täglich. Mit andern Worten: Wie bitte?

Aber gut, das selbst mal zu machen, dann weiss man, wat dat fürn Knochenjob is. Und dann auch noch einer, der weitesgehend unbemerkt bleibt - oder nur bemerkt wird, wenn er mangelhaft bis ungenügend ausgeführt wird. Dabei hätte man doch nicht übel Lust, die ein oder andere Bremsspur zu übersehen oder in dem ein oder anderen Zimmer einen Zettel zu hinterlassen mit der Aufschrift "Putz doch selbst Du alte Pottsau!!!".

Da ich aber ein gewissenhafter Engel mit einem leichten Hang zum Waschzwang bin, muss ich auch hier mal wieder mein Bestes geben. Und ertrage es stoisch und gelassen. Aber anscheinend hält das jung, denn meine schwedische Kollegin hat mich gerade auf 24 geschätzt! (Ich hab ihr nichts dafür gegeben. Sie hat keine Abdrücke am Hals).

Naja und so außerhalb vom Hotel... hm... überquere ich täglich den Wasserfall, von dem mir immer ganz schwindelig wird. Unter Kurgästen und Esoterikern wird der ja ziemlich hochgelobt, auch von wegen heilendem Thermalwasser und so, aber ich fange immer fast an zu schielen, wenn ich da zu lange reinkucke, und dann bleibt mir die Luft weg und mein Herz rast. Wenn das gesund sein soll, dann bleib ich lieber krank!

Der einzige wirkliche Spaß, den ich von Zeit zu Zeit habe, sind zwei alternde Privatiers, die aus lauter Langeweile ein Hotel führen, das ich auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig streife. Sozusagen als Hobby. Ach ja. Das würd ich von mir auch gern behaupten. Die beiden sind sehr lustig und natürlich auch ordentlich anzüglich. ("Habt Ihr auch ne Sauna? Is da auch ne Kamera drin?")  Genau meine Kragenweite! Ein bisschen zwischen Fips Assmussen und Benny Hill. Wenn ich die beiden "Jungs" (51 und 67) auf dem Weg zur oder von der Arbeit besuche, hab ich immer was zu lachen.

Damits aber nicht zu lustig wird, werde ich mich jetzt wieder in mein Putzteufelkostüm begeben, denn der Spa möchte von mir ordentlich durchgewienert werden. Und ihr wisst ja, vor 9 Uhr morgens muss ich einen mobilen Tropf mit Vitasprint hinter mir herziehen, damit ich nicht im Stehen einschlafe. Vor 9 Uhr morgens kann man mir im Gehen die Schuhe besohlen!

So, dann. Bin ma eben in der Sauna, die webcam polieren. 

In diesem Sinne - machen sich schoma frei, ich zieh mir nur kurz die Gummihandschuhe über

Many Greetings from the Wäschekeller!

Lodylette

 

Sylvestergeschichten

Mittwoch, 05.01.2011

Meine Sylvesternacht geht bis 09:30 am nächsten morgen. Die Party is eigentlich schon um 5 zum Ende, aber gerade als ich gehen will, wankt ein Pärchen an die Bar und lässt sich nieder, den angrauenden morgen mit ein paar Flaschen Schampus zu begrüßen.

Die beiden sind voll wie die Haubitzen. Obs Alkohol oder andere Drogen sind - keine Ahnung. Wahrscheinlich ein Cocktail aus allem. Oder 2...

Beide sehen sehr mondän aus. Er mindestens 10 Jahre älter als sie, im Smoking, sie im knallroten Cocktailkleid mit knallroten Lippen. Beide haben nicht vor, ins Bett zu gehen. Beide wollen mehr. Mehr Schampus und überhaupt MEHR. "Happy new year, be more anything!" pamphliert er einem gestrandeten Schweden entgegen (Bad Gastein ist voll von Schweden, so wie Mallorca voll von Deutschen ist), der sich plötzlich und uneingeladen zu den beiden Überbleibseln an der Bar gesellt und die Augenlider auf halb 8 trägt.

Es wird sich angeregt angelallt. Mr. Mondän stellt sich zu mir hinter den Tresen, macht einen auf Barkeeper, ruft immer wieder "Was ist das für ein tolles Sylvester!! Ist das nicht ein wunderbares Sylvester??" und befummelt mir (wie er glaubt beiläufig) das Hinterzimmer, während seine Angetraute mit dem Schweden fachsimpelt. Nach diversen Ausweichversuchen bin ich von dem Arschgetatsche so angenervt, dass ich zu ihm sage: "Jetzt nimm gefälligst mal Deinen Finger aus meiner Rille!", woraufhin er ruft: "Das ist ja das Schönste, was ich im neuen Jahr gehört habe!!"

Minuten später startet die rote Zora einen Aufstehversuch und kracht stumpf auf den Fußboden. Das sieht irgendwie skurril aus. Sie liegt da wie eine zerlegte Schaufensterpuppe, die Gliedmaßen in alle vier Himmelsrichtungen abgewinkelt. Wie ein Kunstdruck! Ich habe sowas wie ein Pietätsgefühl, sonst würde ich es knipsen später ans Guggenheim verscheuern. Ich helfe ihr auf und sie setzt sich wieder. Wahrscheinlich hat sie vergessen, warum sie überhaupt aufstehen wollte...

Gegen 6 Uhr wanken zwei weitere Partykracher in die Bar. Ein Texter und ein Künstler, beide extrem lustig und mit einem astreinen norddeutschen Akzent versehen. Ich freue mich über ein bisschen Heimat in der Ferne und den gammeligen, norddeutschen Humor!

Mr. Mondän, der zunächst nichts dabei findet, mich ständig anzufummeln, während seine Perle am Tresen sitzt, findet die neue Konkurrenz doof und schlägt vor, ins Bett zu gehen. Madame sagt jedoch: Nein, Mann! Ich will noch nicht! Ich will noch ein bisschen tanzen! Es wird wild diskutiert, woraufhin er beleidigt das Feld räumt und die Partykracher ihr versichern, sie habe sich absolut richtig entschieden, noch zu bleiben.

Die Show geht weiter.

Der Texter klemmt sich an Madame, während der Künstler versucht, die beiden mit Musik aus meinem Laptop geschmeidig zu machen. Er will ihn mit ihr verkuppeln, sie will aber nicht. Zwischendrin reisst er mich aufs Parkett und versucht sich im Paartanz. Er ignoriert, dass man dabei zusammen tanzen muss. Damit ich mir nicht beide Beine breche, übernehme ich die Führung, was ihm aber auch nicht so richtig passt. Egal. In seinem Zustand hat er‘s gleich wieder vergessen. Als gegen 7 am Tresen das Frühstücksbuffet aufgebaut wird, bitte ich die drei, sich umzusetzen. Mehrmals. Bis ich einfach ihre Drinks umstelle. Ein Spitzentrick! Sie laufen hinterher. Das heisst, erst trägt der Künstler die rote Zora (gegen ihren Willen) und dann den Texter (gegen seinen Willen) an den Fenstertisch.

Der Künstler wankt wieder zu mir, schiebt mich von meinem Rechner weg und spielt wildes Zeug von youtube ab, welches seiner Meinung nach eine befruchtungssteigernde Wirkung auf das ungewollte Paar am Fenster haben soll. Dann ascht er in meine Tastatur. Ich werde böse. Also verfrachte ich ihn zurück an den Fenstertisch. Irgendwann räumt Madame das Feld. Vielleicht, weil der Künstler neben ihr eingeschlafen ist. 5 Minuten später ist er wieder wach und bemalt sich das Gesicht mit ihrem liegengelassenen Kajalstift. Dann verziert er seinen Kumpel. Dann schläft er wieder ein. Der Texter will gehen. Der Künstler will bleiben. Der Texter wird sauer. Der Künstler steht auf und wankt Richtung Buffet. Dort nimmt er sich ein Croissant, das er ausgiebig durchkaut und sich mit dem Rest das Gesicht dekoriert. Diesmal habe ich meine Kamera am Anschlag und ich mache ein Spitzenfoto. Da er es aber selber nicht sehen will am nächsten Tag, gehe ich davon aus, dass er nicht so glücklich darüber ist, wenn ich es blogge. Also behalte ich es und verscheuer es später ans Guggenheim.

Nachdem er sich das Croissant aus dem Auge gepflückt hat, kommt er mit seiner Zigarette wieder gefährlich nahe an meinen Rechner und ich muss wieder böse werden. Der Texter lässt eine Standpauke los, dann noch eine und noch eine und dann wankt das Gesamtkunstwerk mit seinem Kumpel wider Willen aufs Zimmer.

Man könnte meinen, ich fände das alles sehr schlimm, aber nach alldem, was ich hier bisher erlebt habe, muss ich sagen, dass ich mich das erste Mal wirklich so richtig amüsiert habe! Ich bin so dermaßen überarbeitet, dass ich mich nur noch freue! Zwar habe ich um Punkt 12 Drinks serviert, aber das is mir auch Latte. 2011 kann nur besser werden!

Um halb 10 bin ich am 1.1.11 dann endlich im Bett, 4,5 Stunden später steh ich wieder  auf und klemme mich wieder hinter die Bar.

Am Abend des ersten sehe ich das Pärchen wieder. Sie schleichen sich heimlich an der Bar vorbei. Ich kanns verstehen. Der Texter und der Künstler tauchen erst am zweiten Januar wieder auf. Auch das kann ich verstehen!

Jetzt ist mein vierter Bartag zuende. Gleich ist es halb 3. Nachts. Ich hab mich langsam dran gewöhnt, bis in die Puppen aufzubleiben. Ist auch viel besser als früh aufzustehen, das konnte ich eh noch nie. Außerdem arbeite ich nur noch ca. 10 Stunden am Tag, das ist nach den letzten drei Wochen wie ne Ayurvedakur für mich!

In diesem Sinne – ich weiss gar nicht, wohin mit der vielen Freizeit! (Zum Glück darf ich jetzt noch bei Minus 17 Grad gute 20 Minuten zu unserer Bruchbude latschen… da kommt wenigstens keine Langeweile auf! Was bin ich nur für ein Glückspilz.)

Bis die Tage und, ach ja: Frohes Neues!

Lodylette

frohes neues!    01-01-11 / 07:30  

Mrs. Doubtfire schmeisst die Bar

Freitag, 31.12.2010

Wer schon mal versucht hat, ein Pausenbrot in ein viel zu kleines Taschentuch einzuwickeln, was immer wieder aufklappt, der weiss, wie ich mich gestern gefühlt habe.

Gestern war ich nämlich wieder Zimmermädchen. Ich musste unter anderem Betten machen, ohne Spannbettlaken. Und ich hasse das! Wer hat sich bloss so einen Scheiss ausgedacht, man hat doch keine 2-Meter-Arme! Mein Highlight: Bremsspuren in der Kloschüssel (übrigens nur bei männlichen Gästen) und eine Damenbinde, die mir beim Mülltrennen (ja, das muss man hier) entgegen rollte und sich vor meinen Augen und meiner hypochondrischen Nase in all ihrer Farbenpracht entfaltete. Es lebe der Gummihandschuh. Und das Riechsalz.

Ja, ich dachte eigentlich ursprünglich mal, ich würde an der Rezeption arbeiten…aber…nach meiner wundersamen Verwandlung zum Werkstattleiter, Baustellenfeldwebel und Renovierungsprofi habe ich die letzten zwei Tage die Mrs. Doubtfire gemacht.

Ich schrub ja schon: Seit das eine Zimmermädchen eine Schwalbe von der Leiter machte und sich dabei die Hand brach (man munkelt, sie hätte sogar schon mal mit offenen Schuhen und Handy am Ohr die Spinnweben von der Decke gewienert), haben wir nur noch Marika (52) aus Ostdeutschland, das lustigste Zimmermädchen der Welt. Marika arbeitet wie ein Tier, hat ein riesengroßes Herz, und wenn es jemandem schlecht geht (und mir ging es seit meiner Ankunft diverse Male schlecht), heult sie solidarisch mit.

Sie ist sehr groß und nahezu quadratisch (auch ihre Hände), trägt immer einen weißen Kittel, hat Pausbacken, riesengroße Ohrläppchen mit vielen Löchern (strassverziert), und ihre Haare trägt sie Vokuhila. Mit einer pinkfarbenen Strähne im Pony. Marika sagt, was sie denkt und haut einen Kracher nach dem anderen raus. Das Lustige an ihren Sprüchen ist, dass sie sie stets wirklich ernst meint und dabei kuckt wie eine Kuh, wenns donnert („Ooch menno, jetzt habsch mich schon wiedo geschnidden, dabei wollt ich das gorni mehr“  „Da, in dem annern Hotel  - das wor wie im Knast! Nur ohne Giddor“ – „Lody, Du bist uch so‘n rischtjes Rammel-Ludor!“ „Bitte? Was bin ich?“ „Na so eene, die immer rischtsch anbackt, die die Sachn inne Hand nimmt, so eene wie ich!“).

Zu Weihnachten hat Marika sich einen kleinen Plastiktannenbaum auf ihren Fernseher gestellt und eine Lichterkette aufgehängt. Sie fühlt sich manchmal einsam, würde das aber nie zugeben. Nun saß sie an Heilig Abend allein vor dem Fernseher und hat sich eine Volksmusik-Show mit Marianne und Michael reingezogen (gibt es schlimmere Weihnachten??). Deshalb haben wir sie mit einem kleinen Liedchen („We wish you a merry christmas“), einer Buddel Sekt und ein paar kleinen Geschenken überrascht. Ist schon komisch, so ein Weihnachten auf einer Baustelle, mit einem Haufen zusammengewürfelter Leute, mit denen man sich sonst nie unterhalten würde. Nicht, weil man sie doof findet, sondern weil man sie sonst nie trifft! Oder vielleicht…weil man sie doch doof findet…

Wir haben da nämlich so zwei Spezis. Die beiden kommen aus Schweden und haben sich zusammen beworben. Wie Dick und Doof. Beide wollten eigentlich nur Skifahren und nebenbei ein bisschen arbeiten (äh, ich auch..!), aber das mit dem „bisschen“ nehmen sie sehr ernst.

Sie sehen aus wie Riesenbabys, bei beiden schlackern die Arme wie bei Grobi aus der Sesamstraße von den hängenden Schultern, und beide nehmen es mit dem Waschen nicht so genau. Ihr Zimmer, das sie kurzzeitig bezogen hatten, sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen und roch wie ein Iltiskäfig – noch drei Stunden, nachdem sie wieder ausgezogen waren. Besonders der eine, der einen Kopf hat wie ein Karpfen, hat dermaßene Käsemauken, dass man den Fahrstuhl nicht betreten konnte, wenn er mitfuhr oder kurz nachdem er gefahren war. Kleine Räume musste man lüften, wenn er drin war. Ich mache keinen Scherz! Ich habe eine empfindliche Nase, aber wenn‘s die Kollegen schon riechen, ist es kurz vor Gasmaskentime. Ich schwör! Nun hat er sich neue Schuhe gekauft (Leni hat es ihm ans Herz gelegt) und es ist tatsächlich besser geworden. Aber... ach, wenn doch der Geruch das einzige wäre!

Es ist nicht so, dass sie die Arbeit komplett verweigern würden, aber sie machen eben nur das, was man ihnen sagt. Fällt dir also gerade was aus den 27 Kisten, die du auf Kopf, Schultern und den Händen balancierst, während du Dich mit dem Hintern voran durch eine Schwingtür zwängst, darfst Du nicht glauben, dass einer von den beiden sich bequemt, sich zu bücken. Sie stehen nur da und glotzen Dich an. Bis Du ihnen sagst „heb das bitte auf“. Das klappt dann sogar! Während der eine noch halbwegs helle ist und seine Aufgaben brav erledigt (er ist jetzt Spülhilfe und da kann man nicht soo viel falsch machen), ist der Karpfen wie ein Aufziehmännchen, dass nach jedem Anschiss Vollgas gibt und dann immer langsamer wird, bis eine Fliege vorbeikommt und ihn vollends von der Arbeit ablenkt. Ich bin ja so froh, dass ich ihn bisher nicht so sehr unter meinen Fittichen hatte (die hätte ich ja auch nie wieder sauber gekriegt)… Bei seinem letzten kurzen Gastspiel in der Küche hat der Karpfen jedenfalls den Abfluss mit Essensresten verstopft, sodass wir uns nun überlegen, was wir ihn sinnvolles tun lassen können, ohne dass er was falsch macht. Bis gestern dachte ich, dass er gut tragen kann, aber als er den Bauernschrank im dritten Stock anfasste, brach aus diesem prompt die Tür heraus. Naja. Wir werden schon was finden. Schneeschippen geht…Schnee kannste nich kaputt machen…obwohl – er schaffts vielleicht…

Mittlerweile sind übrigens alle Zimmer fertig, das Hotel ausgebucht und wir wohnen nun bei Tante Danielle.

Als ich hier vorgestern Nacht ankam, war ich kurz vor einem ganz, ganz großen Nervenkasper. Die komplette Bude war kalt. Nach 14 Tagen härtester Renovierungsarie, bis auf die Knochen runtergerockt, kommst Du abends vergrippt in dein Zimmer und es ist KALT! KALT! KA-HALT!!! Kalt und hässlich.

Spontan musste ich an Mallorca denken. Die kälteste Wohnung von Palma. Nur hier…ist es nicht so schön! Nur ein Zimmer ist ganz passabel, aber das ist noch kälter als die anderen. Mal abgesehen davon, dass das „Gästehaus“ aussieht wie das Filmset von „Delikatessen“ und der Eingang durch ein vor 10 Jahren ausgestorbenes, eiskaltes Lokal führt, funktioniert die Heizung im ganzen Anbau nicht richtig und warmes Wasser zeigt sich nur zaghaft – und dann eher in einem Rinnsal als in einem ordentlichen Strahl. Von den Möbeln und den Zimmern will ich gar nicht anfangen – gestern abend hätte sich Leni fast unter einem der drei riesengroßen, brandhässlichen, klapprigen, dunkelbraunen Furnierschränke begraben, als sie versuchte, einen Regalboden einzusetzen (es war nämlich keiner drin, auch keine Stange – „Guten Tag, ich hätte gern ein Mettbrötchen, aber bitte ohne Mett!“). Wir teilen uns ein Zimmer und ich hoffe, dass das gut geht, denn wir haben verschiedene Schichten und ich kann äußerst nerdy werden (ja, da geht noch was), wenn ich nachts geweckt werde und am nächsten morgen früh raus muss. Sie wahrscheinlich auch, aber sie zeigt das nicht so.

Jedenfalls ist unser Zimmer ein optisches Waterloo. Es handelt sich hierbei um den Wohn-Essbereich einer ehemaligen Wohnung, die in ein „2-Bett-Zimmer“ umgewandelt wurde und nur durch eine Schiebetür von einem anderen Zimmer getrennt ist. Unser Wohn-Essbereich ist mit einer Trennwand versehen und türkisblau gestrichen. Ich „bewohne“ den kleineren Teil (also die ehemalige Küche – wenn ich auf meiner Matratze liege, schaue ich auf den Wasseranschluss), das ist ein Schlauch von ca. 2x3 m. Die Decken sind unproportional hoch und bis an die Decke gestrichen, so dass ich mich fühle wie in einem Aquarium. Aus lauter Verzweiflung habe ich einen ganzen Post-it-Block auseinandergenommen und pinkfarbene Herzen an die Wand geklebt, um die Decke optisch ein wenig runterzuholen. Jetzt siehts hier aus wie in einem Asylantenheim (mit Post-it’s an der Wand). Ich werde nachher mal schauen, ob ich ne Bravo bekomme oder eine Wendy, und dann werde ich mir einen Lady-Gaga-Starschnitt an die Wand kleben und ein paar Pferdeposter. Man muss sich ja wohlfühlen!

In diesem Sinne…setz ich gleich mal mein Pokerface auf und tu so, als ob mich kein Wässerchen trüben könnte, wenn ich rübergehe ins (von uns) wunderschön renovierte Hotel, in dem sich die Gäste bei 26 c° Zimmertemperatur auf den kaiserlichen Betten rumlümmeln. That‘s what I call a bad Romance!

Durchhalten, einatmen, ausatmen, Tschüss.

Mrs. Doubtfire

P.S. es ist jetzt 03:23 und ich habe mich vom Zimmermädchen zum Barchef entwickelt. Das ganze hat 12 Stunden gedauert. Nicht die Entwicklung, das ging ganz schnell ("Kannst Du morgen die Serviceleitung übernehmen?"), sondern meine Schicht. Ich bin hinüber, sitze im Wäschekeller auf einem umgedrehten Wäschekorb und hacke frustriert in die Tasten. Für meinen momentanen Zustand fällt mir nur ein Wort ein: Schlimm. Und ich weiss: Morgen wirds noch schlimmer, denn dann ist Sylvester. 2010, das Jahr, in dem ich die Feiertage lieben lernte. Bienvenido el turismo!

Das einzige Highlight des Tages war Trisha, die stand auf einmal im Hotel vor mir. Da hab ich gheult!! Vor Freude natürlich, und weil ich auf einmal so ein starkes Heimweh nach Mallorca hatte. Trisha hat heimlich gebucht, um mich zu überraschen. Nun schläft sie in einem der schönsten Zimmer des Hotels, in dem ich mich neulich noch mit den Gardinenstangen rumgeschlagen habe. Ich werde auch bei ihr poofen, denn ich schaff es nicht mehr, mich nach Hause zu schleppen. Ich hoffe, ich werd heut nacht nicht von meiner eigenen Konstruktion erschlagen... Also, solltet ihr nichts mehr von mir hören, dann bin ich demnächst entweder an einem burn out gestorben, erfroren oder habe eine Gardinenstange zwischen den Augen stecken...

In diesem Sinne: es gibt nichts zu erben! Nacht.

 

 Mein Weihnachten. Hübsch, oder? Mein Spitzen-Geschenk! Ein Selbstbau-Buch. hab ich gleich angewendet! Die andern hams auch ohne Buch hingekriegt. kleines Sektchen mit den Kollegen Wenn schon kein Baum, dann wenigsten selbstgebauten Heiligenschein ins Haar. das war es noch schön... der letzte Abend im Hotel! ...unser Zimmer, in dem wir Weihnachten gefeiert haben, endlich fertig, und das auch noch selbstgemacht!Ankunft in der Schrammelbude: Leni links, ich rechts. meine Besenkammer mit Spitzendeko die Lampe is allerdings cool. Naja. Es gibt ja Fliesenfarbe.

Oh Tannenbaum,

Freitag, 24.12.2010

Oh Tannenbaum, wie grün sind Deine Blätter...tirili & flöt....

fröhliche Arschnachten...

Hier sind nicht nur die Blätter grün, sondern auch die Wiesen. Pünktlich zum Fest hat es abgetaut und zum Mittag gibt es Nebeluppe. Da ist nach 20 Jahren mal wieder Schnee in Deutschland und ich sitz hier und glotze total vergrippt und durchgenudelt auf einen grünen Hang. Naja, ich will nicht meckern, es gibt sicher viele, die dieses Jahr an Weihnachten in irgendeinem Terminal feststecken und seit drei Tagen denselben Schlüpper anhaben...da bin ich ja noch gut dran!

Nachdem ich seit 11 Tagen täglich durchschnittlich 12 Stunden ein Haus renoviert habe, das noch nicht mal mir gehört, geniesse ich heute den ersten Tag im Bett. Mich hat eine Grippe umgeniegelt, die sich gewaschen hat. Vielleicht bin ich ein bisschen überarbeitet...das ganze Team kriecht auf dem Zahnfleisch. Deshalb habe ich zu allem Überfluss auch noch ein schlechtes Gewissen, dass ich mir ne Pause genehmige, während die anderen weiter im Hamsterrad laufen. Mittlerweile sind die ersten Gäste eingetroffen und die letzten Zimmer werden parallel dazu fertig gemacht. Wir schlafen noch alle im Hotel, aber in zwei Tagen ist der Laden hier komplett ausgebucht und wir ziehen um zu Tante Danielle.

Tante Danielle sieht nicht nur aus wie die gleichnamige Romanheldin, sie weist auch charakterliche Ähnlichkeiten auf. Danielle ist 84 und hat ein Gästehaus mit leicht heruntergekommenen Zimmern, teils fürchterlichen Tapeten und entsetzlicher Einrichtung und -natürlich- ohne W-Lan. Sie ist herrlich garstig, hat aber ein großes Herz, vor allem für Tiere. Deshalb trägt sie gerne Pelzmäntel. Ihr Sofa ziert ein Affenfell und auf dem Couchtisch liegt ein Schildkrötenpanzer. Ja, sie habe noch eine ganz große Schildkröte, sagt sie. Die sei oben. Wie die hier leben würde? Gar nicht! Sie habe sie umbringen lassen, bevor sie wieder nach Deutschland zog, weil sie sie ja soooo gerne mochte...Waaaaaaaahhh! Ich hoffe, wir werden uns nicht so gut anfreunden, dass sie mich nicht wieder gehen lassen will, denn ich möchte nicht als Skalp auf ihrem Sofa enden.

Apropos Tante Danielle...hier ist vor ein paar Tagen unsere Putzfrau von der Leiter gerumpelt und hat sich die Hand gebrochen. Das dumme Ding... (kleiner Spaß..!!). Ich war die erste an der Unfallstelle, weil ich kurz zuvor einen Nervenkasper hatte und zufällig nebenan auf meinem Zimmer im Bett lag...dann hat sie auch noch türkisch geredet und ich hab nur die Hälfte verstanden. Puh.

Als die Sanis da waren, kam auch noch die Ösi-Polizei nachgerückt und hat mich vernommen. Als würde ich eine Putzfrau in Schlaf-Kindchen-Schlaf-Manier von der Leiter rütteln! Die Cops haben dann noch wild auf die arme Frau eingeredet und eingehend nachgebohrt, ob sie wirklich allein im Raum gewesen sei, als sie das Gleichgewicht verlor. Ich sah mich schon im Knast. Sie hat aber angegeben, dass sie allein war, um ihren dreifachen Rittberger zu proben.

Nun ist sie erstmal zu Hause und uns fehlt ein Zimmermädchen. Ich habe gestern die Organisation der Zimmermädchen-Depots übernommen. Jetzt brauche ich nur noch eine weiße Rüschenschürze und ein Diadem aus Lochservietten, dann kann ich mich von Bob der Baumeister in Mrs. Doubtfire verwandeln und wie ein Derwisch durchs Haus wienern. Ich sach ja, ich habe viele Talente...

die Leiter des Grauens

Tja, und dann war da ja noch was...Heilig Abend...

Ich habs mir ja so ausgesucht. Ich hätte ja auch zu Hause sein können, bei den schrulligen Verwandten, oder Freunde besuchen, in Köln, Berlin, Würzburg, Mallorca...und jetzt lieg ich hier im Bett, mit Nebel, ohne Schnee und einem dicken Fragezeichen, warum ich mir das mal wieder genau so ausgesucht habe. Naja. Offensichtlich brauchte ich das noch in meinem Erfahrungsschatz...

Also...wer sich beschwert, dass Onkel Fritz beim Essen schmatzt oder dass das neue iPhone nicht die gewünschte Farbe hat...bitte melden, tausche gern!

In diesem Sinne....frohes Fest!

 

ab heute mit Schnurri.

Schlau aufm Bau

Montag, 20.12.2010

Nach dem dritten 14-Stunden-ich-streiche-alles-was-nicht-laufen-kann-dabei-würde-ich-jetzt-viel-lieber-meine-Fingernägel-lackieren-Tag habe ich gerade angeregt, nur noch eine Mahlzeit am Tag einzunehmen. Um Mitternacht, und dann gleich Frühstück und Abendbrot in einem. Sonst kommt man zu nix. Is ja schliesslich kein Ferienlager hier..!

Außerdem bin ich der Meinung, Chef könnte von den nächsten Saisonmitarbeitern getrost Schulgeld verlangen. Nach der 3-Monatigen Ausbildung in der Gasteiner Elite-Akademie können wir nämlich Sachen, die andere Menschen in mehreren Jahren und drei Auslbildungen nicht hinbekommen!

Insofern hab ichs doch mal wieder ganz gut getroffen. Bin halt ein Glückspilz!

 

 gefällt mir der schlau-aufm-bau-orden geht heute an den chefkoch! gesammelte werke die bar nimmt form an. ich kanns kaum abwarten, mich in ihr bewusstlos zu trinken.

 

Zwischenbilanz

Freitag, 17.12.2010

pinselnposenpausenplödelnpett

Bob der Baumeister

Mittwoch, 15.12.2010

FAST, aber nur ganz fast hätte ich heute gar nichts mehr bloggen wollen, so kaputt bin ich.

Meine Ankunft in Bad Gastein hatte ich mir weitaus pompöser vorgestellt... Ich sitze wie Boneless Chicken in der Rumpelkammer, die in 5 Tagen als Kaminzimmer erstrahlen soll, kann die Augen kaum aufhalten und traue mich gar nicht so richtig, meine Hände zum hundertsten Mal mit Terpentin zu reinigen, weil das wahrscheinlich auch gar nicht sooo gesund is.

Aber ich will ja nich vorgreifen, deshalb von Anfang an...

Die Abfahrt in Köln lief rund. Das Packen war ein Kinderspiel (naja fast), und wir haben den ganzen Kladderadatsch tatsächlich ins Auto gekriegt. OBWOHL wir noch einen Koffer mehr für Leni mitnehmen mussten, die schon vorgeflogen war. (Die ganze Pack-Arie wurde von einem Kamerateam begleitet, damit aus mir auch noch mal ein richtiger Konny Reimann wird. Und... dass ich Hotels auch selber bauen kann, weiss ich schon jetzt! Erkenntnis Nummer eins in meiner kurzen alpinen Existenz!)

Jedenfalls....

Auf der Hinfahrt war das Navi kaputt. Keine Hürde. Ich wusste ja, dass wir nach Salzburg AUF KEINEN FALL Richtung Wien weiterfahren sollten, sondern Richtung Graz. Das haben wir auch gemacht! Bis nur noch Wien ausgeschildert war. Sind aber angekommen und haben zur Begrüßung Weisswurst serviert bekommen. Das fand ich toll.

Am ersten Morgen hab ich dann gleich das Herz meines Vorgesetzten mit ein paar beiläufigen Fragen erobert. Er fand, es waren blöde Fragen, ICH fand sie...äh...gut! Sonst hätt ich ja nicht gefragt! Naja... vielleicht ein bisschen überflüssig. Aber wer nicht fragt bleibt dumm, oder? Oder glücklich - für eine Saison. Najaaa... Wir werden uns noch anfreunden, da bin ich mir sicher! Wäre auch besser für uns beide, denn wenn ich weg wäre, müsste er statt meiner drei ungarische Hilfsarbeiter einstellen! Das Hotel ist nämlich -sagen wir- zu 50% in dem Zustand, in dem es sein sollte, 5 Tage vor der Eröffnung. Puh. Jahaaa, es gibt drei Handwerker, aber die haben auch keine 8 Arme. Nicht mal zusammen! Und das Hotel hat über 30 Zimmer, von denen äh...keins(?) wirklich in dem Zustand ist, in dem es sein sollte. Ich muss sagen - das Hotel is total schön! Ich hätts locker so gelassen. Aber naja - ich kenn das von früher, da musste ich kurz vor Mitternacht auch noch schnell mein Zimmer streichen.

Ergo: Wir (weiblich & zierlich) kleben, streichen, lackieren, schleifen, tackern, schrubben, saugen, verputzen, schneiden, sägen, nageln und machen alles, wofür ein mittelmäßiger Handwerker einen Meisterbrief hinterhergeschmissen kriegen würde. Wir sind aber keine Handwerker - hatte ich das erwähnt? ...Eigentlich dachte ich, ich würde eine kurze Einweisung in das Buchungssystem kriegen, ein paar Blumengestecke ordern und meinen Piroschkamantel durch die Gasteiner Cocktailbars schieben... Ich befürchte jetzt allerdings, dass das dieses Jahr nix mehr wird.

Ich freue mich mittlerweile wirklich, dass das Gästehaus, indem wir wohnen werden, 10 min zu Fuß entfernt liegt. Dann kann ich die nächsten 3 Monate die Lacke wieder ausatmen, die ich in den letzten 3 Tagen inhaliert habe. NOCH wohnen wir alle hier im Hotel, denn unser Tag beginnt um 8 (!) - so früh bin ich seit meinem letzten Arbeitsamtstermin nicht und davor nur für die Schule aufgestanden! (Habe ich eigentlich erwähnt, dass ich keinen kenne, der beim Amt jemals einen Termin NACH 8 Uhr morgens hatte? Das machen die doch extra.)

Gut, jetzt aber wieder zum Wesentlichen. Ich wollte mich hier ein bisschen akklimatisieren, die manierliche Dorfjugend kennenlernen, vielleicht mal ein Heilbad nehmen, Postkarten schreiben, Rodeln und Jodeln! Und nebenbei ein bisschen im Hotel nach dem Rechten sehen, bevor es richtig losgeht. Und vielleicht ein, zwei Schönheitsreparaturen machen...hatte ja gesagt, dass ich auch Fliesen legen kann (von Mama gelernt) - aber nicht geahnt, dass ich es muss...

Das Gute sind wirklich mal wieder die Kollegen. Ein Spitzenteam. Wenn die nicht wären, hätt ich geheult und mich mit meinen 5 tonnenschweren Gepäckstücken gleich wieder ins Auto geschwungen, als meine beste Freundin wieder abgefahren ist. Äh ja, 5... aber die brauch ich!!! Von den Klamotten is jetzt eh die Hälfte versaut, weil ich ja nicht wusste, dass ich einen Blaumann mitnehmen muss, um an der Rezeption zu arbeiten.

Aus Mallorca weiss ich aber: Es lo que hay! Und: wenns am Anfang so richtig schön bescheiden is, kanns nur besser werden! Und: Da freu ich mich drauf.

Nur jetzt nicht...jetzt bin ich zum freuen zu müde.

Ich versuch dann jetzt mal, meine Gichtgriffel abzubeizen und mein Klappergestell ins Bett zu verfrachten. Denn morgen gehts wieder um 8 aus den Federn! Und ich so yeah...

Bis morgen oder so (falls ich es schaffe...), pfüats Eich!

 

die abreise. die Ankunft der Ausblick der Kalender von der Gidde - Danke, Schatz! Mein Zimmer (noch) - schön, oder? der Hotelhund - schnurrt wie eine Katze und hat immer Hunger der berühmte Wasserfall die Maria am Wasserfall ein leerstehendes Gebäude - eins von vielen in Bad Gastein! Leider. die Kirche, an der ich bald jeden morgen vorbei muss Schneemann mit Hexenschuss BOB DER BAUMEISTER 1-4  Siesta! wie...das trägt man vor der Nase??? Sieht doch voll bekloppt aus! Siesta!   BOB 2  kleines Päus-chen aufm Bau  nicht vergessen: immer schön Anweisungen geben. Is wichtig....und auch mal nach Arbeit aussehen. und mal n kleinen Schbass auf Lager haben!du-hast-die-Nägelschönduhastdienägelschönduhastduhastduhastdienägelschön! Gute Nacht allerseits. Träumt süß.

..und hier noch ein kleiner Kurs im Polstern - hab ich alles von Mamilein gelernt. Die Wittler kann einpacken!

Tag 2: Polsterei          meine BdB-Tasche Kaminzimmer, Arbeitsplatz und Tischlerwerkstatt

P.S. hier gibts ja so Heilstollen mit Radon...das soll die Fruchtbarkeit steigern. Nach den Lackierarbeiten hätt ich aber Schiss, ein Kind mit 3 Köpfen zur Welt zu bringen...

Es geht weiter. In die Berge!!

Dienstag, 07.12.2010

Erstma Danke für die motivierenden Kommentare. Hab ich mich ein bisschen drin gesuhlt. :-) Als Retour hier ein nagelneuer und völlig unerwarteter Blogeintrag!

Vorausschauendes Denken war ja noch nie meine Art. Deshalb habe ich jetzt keine Winterklamotten mehr. Die habe ich vor meinem Trip nach Mallorca im Zuge meiner Haushaltsauflösung verscheuert, weil ich ja dachte, dass ich eh nicht zurück komme. Mein Snowboard auch. Und die Moonboots, die einfach nur schick aussahen und nie zum Einsatz kamen. Wofür ich die bräuchte, hätte ich bis vor kurzem auch gar nicht gewusst, genauso wenig wie ich gewusst habe, warum ich überhaupt zurückkomme.

Jetzt weiss ichs. So hat mein Leben schon immer am besten funktioniert - einfach abwarten!

Ich habe nämlich kurz nach meiner Rückkehr einen Anruf bekommen, von einem Freund aus Berlin. Der kennt eine, die einen kennt, der ein cooles Hotel in Bad Gastein (Österreich, Salzburger Land) hat. Und da werde ich die nächsten 4 Monate verbringen - arbeitend (puh..).

Ich bin mir sicher, da werden sich neue Bekanntschaften ergeben, die in diesem Blog eine zweifelhafte Berühmtheit erlangen werden!

Unfassbar, vor allem für mich selbst... Wo ich doch nie in die Berge wollte. Aber immerhin: Ich werde Herbergsmutti (und das wollte ich ja schon immer!). Dafür schlidder ich doch gern mit Highheels durch den Schnee.

Ich hätte das alles eigentlich schon viel eher bloggen wollen, aber es gab einige ungünstige Faktoren, die mich in eine temporäre geistig-Körperliche Totenstarre verfallen liessen: Eine fiese Grippe, eine fiese Nebenhöhlenentzündung, eine fiese Frau (die "Fallmanagerin" vom Amt) und eine fiese Zahnbehandlung.

Es ist unfassbar. 2 Monate arbeitslos und ein Gefühl wie vom Trecker getreift. Ich wollte erholt sein, frisch gebügelt, gerüscht und manikürt! Ich hatte mir das eigentlich anders vorgestellt...

Die Dame vom Amt übrigens auch. Als die Tür aufging, ahnte ich bereits, mit welch versiertem Vortrag sie mir meinen Tag vergolden würde. Zusammengefasst:

"Ich werde Sie bald nicht mehr als Akademikerin vermitteln können, Ihr Studium ist schon SO lange her und nicht abgeschlossen! Erstes Staatsexamen? Das ist doch nichts! Ohne Referendariat haben Sie Ihre Ausbildung nicht beendet! Eine Weiterbildung? Neee nee - bei IHREM Lebenslauf.... Sie sind ja nicht qualifiziert!! Bei ANDEREN, jaa, da fehlt ja nur noch eine kleine Nuance, da lohnt sich sowas, aber bei Ihnen...Sie haben ja alles gemacht und nichts richtig! Da ist ja keine Linie erkennbar! So, ich würde vorschlagen, dass ich Sie dann mal jetzt in ein Büro vermittel. Sie haben hier ja angegeben, dass Sie 2000 mal beim Architekten als AfA (Arsch für Alles) gearbeitet haben. Oh! Hier, in Karlsruhe, da hätt ich was für Sie. Wie bitte, das möchten Sie nicht mehr, weil Sie am Ende jeden Morgen mit Brechreiz ins Büro gegangen sind??? Also es geht hier nicht darum, was Sie wollen, sondern wo wir sie vermitteln können! So. Ich möchte jetzt mit Ihnen verbindlich vereinbaren, dass Sie bis zum nächsten Termin recherchieren, ob Sie noch Ihre Referendariat machen können. Sie wollen ja auch was langfristiges! Und außerdem möchte ich wissen, wo Sie sich überall beworben haben. Wenn Sie bis dahin nicht erfolgreich waren, müssen Sie sich bundesweit umschauen. Sie haben ja keine Familie in Köln! Ich muss dann jetzt auch weitermachen, der nächste wartet schon draußen Tschüß"

Ahja. Die fürsorgliche Fallmanagerin hatte es geschafft, mein komplettes Immunsystem in Grund und Boden zu lamentieren. Nach dem Termin sackte ich erstmal kraftlos auf dem Sofa zusammen, und als eine Armada von Grippeviren um Einlass bat, konnte ich nur noch leise "hereinspaziert" hauchen. Die Tür war ja schon vom abgehalfterten Amtsschimmel eingetreten.

Wie bereits erwähnt, hatte ich außerdem in den letzten drei Wochen das regelmäßige Vergnügen, meinen Zahnarzt zu daten. Leider nicht nachts und nicht nackt.

Im Gegenteil: Ich bin die letzten 21 Nächte im Mondschein und mit wirrem Haar durch die Wohnung gewandert, um heimlich und maßlos Ibuprofen zu naschen. Das dentale Unheil, das schon auf Mallorca begann (entzündete Zahnwurzel), setzte hier seine Karriere fort. Zweimal 3er-Krone runter und wieder rauf, und mittlerweile bin ich auch meinen benachbarten Weisheitszahn los, obwohl der eigentlich nur peripher beteiligt war. Die vielen Behandlungen (ich habe jetzt ein Messingschild im Behandlungsstuhl) haben außerdem eine extreme Überlastung des Kiefergelenks und der gesamten Kaumuskulatur nach sich gezogen, die sich (vor allem Nachts) in derlei abartigen Kopf-,Gesichts-,Zahn-,Kau-,Ohr-,Nasen- und Kieferschmerzen äußert, dass ich neulich beim Glotzen von "Die Säulen der Erde" daran dachte, es könnte doch recht erlösend sein, von einer Guillotine geköpft zu werden. Früher hatte ich das Talent, in allem Guten auch das Schlechte zu sehen - heute isses umgekehrt!

Der Stand der Dinge ist jetzt folgender:

Ich bin randvoll mit Ibuprofen, Diclofenac und Clindamycin. Ich bin mir sicher, ich werde später in Gorleben begraben. Bis auf die Augenringe und die scheckige Haut gehts mir aber gut. Solange die Tabletten wirken. 

In zwei Tagen mache ich mich auf nach Bad Gastein. Meine beste Freundin fährt mich hin und bleibt noch über das Wochenende da. Sie fährt mich, damit sie sich davon überzeugen kann, dass ich bei den Schuhplattlern gut aufgehoben bin und weil ich die vielen Koffer sonst nicht in den Flieger kriege.

Ich habe nämlich schon wieder fleißig Klamotten angehäuft. Nichts praktisches natürlich. Aber schöne Sachen! Schön und viel zu dünn! Dass Ugg-Boots nicht für die Berge taugen, und dass man sich damit sogar schon im winterlichen Köln auf die Fresse legen kann, hab ich schon ausprobiert. Ich nehm sie trotzdem mit. Ist schliesslich Fell dran!

Der Countdown läuft und ich bin ein wenig gelassener als vor meiner Abreise nach Spanien. Ich muss nur noch eine Reisetasche umtauschen, die kurz nach dem Kauf beim Ankucken auseinanderfiel, eine Auslandsversicherung abschliessen und mir überlegen, was ich WIRKLICH mitnehmen muss und worauf ich ECHT NICHT verzichten kann. Da ich ja nun in die Berge fahre, in denen es bekanntlicherweise eiskalt ist, ist natürlich auch klar, dass ich diesmal mit 25 Kilo auf keinen Fall hinkomme. Ich brauche ja Klamotten für drinnen und für draußen! Das hat ja schon Ötzi gemerkt, dass man mit einem Outfit nicht weit kommt. Den Fehler will ich nicht wiederholen. Außerdem fahren wir ja mit dem Auto, und ein LKW hat hinten auch keine Fenster.

So, nun ist es mitten in der Nacht und Zeit für meine Pillen. In diesem Sinne:

Schluck und Jodel, Servus und uf Wiederluege! (Ach nee, das war ja Schwi.. egal)

Herzlichst,

Eure wiederauferstandene* Lodylette

Edition Winter (ohne Jacken) das ist aussortiert, wird aber vielleicht wieder einsortiert. pfüf, pfahn.

 

 

* komme mir ein bisschen vor wie Jesus, ansonsten bin ich aber sehr bescheiden geblieben.

10.10.10

Montag, 11.10.2010

Gestern war der Tag der Tage. Der 10.10.10! Meine Schwester meinte, es wäre der ideale Zeitpunkt, um zu heiraten und fragte per facebook, ob jemand Bock hätte. Ja, ich! Nun bin ich allerdings kein Mann, und die Schwester heiraten kann - wie wir wissen - schnell im Knast enden. Also hab ich mir den Antrag verkniffen. Gut, dann eben keine Hochzeit am 10.10.10.

Also dachte ich mir gestern: Es wär doch toll, wenn meine Nachbarin (schon verheiratet) heut ihr Kind kriegen würde. Die is ja hochschwanger. Eigentlich wäre der Geburtstermin Ende der Woche. Aber ich hätt ja an einem solchen numerisch reizvollenTag schon mal ein bisschen Spocht gemacht, um den kleinen Stöpsel zum vorzeitigen und selbstredend freiwilligen Auszug aus dem Hotel Mama zu bewegen. Genug schmarotzt! Meine Nachbarn sind lustig, und sie kennen 1a Geheimtricks, wie man das Geburtsdatum des Kindes ganz einfach manipulieren kann.

Er: "Das geht auch mit GV, wenn man kurz vor Ende poppt, dann kommt das Kind schon eher".

Sie: "Ja, was ist denn das noch für ein Zeug, das da aus dem Mann rauskommt, wie heisst das noch... Lakto...äh"

Er: "Sperma"

Sie: "Haha witzig! Das Blöde ist nur, mir macht das gerade überhaupt keinen Spaß"

Er: "Mir schon"

So wie ich die Lage einschätze, gab es für ihn gestern aber untenrum nichts mehr zu holen. Sie ist immernoch kugelrund! Naja.

Da ich den magischen Moment ebenso verpasst habe (mal abgesehen davon, dass ich nicht schwanger bin hat mir auch niemand einen Heiratsantrag gemacht), verlasse ich mich auf den 11.11.11. Ein Kind krieg ich bis dahin bestimmt irgendwie hin (bald is Karneval!) und Heiraten is sicher auch kein Problem (hier um die Ecke gibts ne Blindenschule). Irgendwie hab ichs sowieso mit der 11. Seit Jahren schaue ich (fast täglich) um 11:11 auf die Uhr. Aber ich hab nie rausgefunden, was das bedeutet. Bestimmt was Gutes! Sicher werde ich nächstes Jahr am 11.11. um 11:11 11,11 Millionen Euro gewinnen.

Ach, was wär das schön...Dann müsste ich mich nie wieder mit beruflichen Zielen (be- was?) auseinandersetzen. Ich war nämlich letzte Woche beim Arbeitsamt und da ging sie wieder los, die Misere. "Was sind ihre beruflichen Fähigkeiten/Qualifiaktionen?" / "Welche beruflichen Ziele haben Sie?"

"Hallo!!! Kuck mich an, ich bin so schräg wie mein Lebenslauf! Wenn ich ein berufliches Ziel hätte, säße ich nicht hier. Allerdings....In der Nase popeln kann ich ganz gut. Nur im Moment sind meine Fingernägel zu kurz. In zwei bis drei Wochen könnten Sie mich wieder vermitteln!".

Als ich vom Amt komme, fühle ich mich wie Wurschtsalat.  Wie zwei Kugeln Vanille-Eis, mit roher Gewalt durchs Lochsieb genudelt. Ich bin so überfordert mit der Berufungsfrage, dass ich völlig erschöpft auf dem Sofa zusammensacke.

"Hey, die machen doch nur ihren Job" sagt meine beste Freundin, "die müssen Dich halt irgendwo einordnen, darfste nicht persönlich nehmen".

Ich kann das ja verstehen; Deutschland ist eben quadratisch, und was nicht passt, wird passend gemacht. Sagt auch Luca, mein mallorquinischer Joggingfreund. Monatelang hat er mich verarscht, nur, weil er nie pünktlich sein konnte! Im Gegensatz zu den Italienern fühle ich mich nach einer Saison auf Mallorca auch wirklich ein bisschen geometrischer, aber bezogen auf die Quadratköpfe vom Amt fühle ich mich äußerst formlos! Was sich auch in meiner Figur niederschlägt. Denn wie im Innen, so im Außen!

Zum Glück sind Reiterhosen wieder in.

 

 

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